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Eskalation auf Dorffest Ausländer in Mügeln fürchten neuen Gewaltexzess

2. Teil: Werwaren die Schläger? Krawalltouristen? Rechtsextreme?

Eine Sonderkommission der Polizeidirektion Westsachsen versucht, Ordnung in das Chaos der Gewaltnacht zu bringen. Angesichts des E-Mail-Hinweises aus dem Jugendhaus ist die Frage: Haben Neonazis aus der Region die Veranstaltung gezielt angegriffen? "Wir haben diese E-Mail nie gesehen", sagte eine Polizeisprecherin heute. Man ermittle "in alle Richtungen", ein ausländerfeindlicher Hintergrund werde nicht ausgeschlossen. Dass einige der Täter entsprechende Parolen gerufen haben sollen, sei nicht unbedingt ein Anhaltspunkt für ein rassistisches Motiv. Auch Bürgermeister Deuse wusste von den Gerüchten über einen möglichen Angriff: "Es wurde angedeutet, dass es irgendwelche Probleme geben könnte. Ich habe das auch der Polizei rechtzeitig mitgeteilt", sagte er dem Sender N24.

Der Bürgermeister und auch Mitarbeiter der Stadt sagen, in Mügeln gebe es keine Rechtsextremen: "Das ist von außen in die Stadt reingetragen worden." Dies widerspricht der Schilderung der Frau aus der Pizzeria, die von zwei Stammgästen unter den Pöblern spricht. Woher kamen die Täter also?

Ein Zeuge schilderte SPIEGEL ONLINE Beobachtungen aus der Nacht, die tatsächlich auf eine gezielte Provokation mit dem Ziel einer Schlägerei hindeuten könnten. "Zu der Zeit, als die ganze Sache passiert sein muss, zog an unserem Fenster eine geschlossene Gruppe, so etwa 30 bis 40 Leute vorbei. Die gingen in Richtung Marktplatz", sagte der Mügelner. Dem Erscheinungsbild nach seien die Personen der rechtsradikalen Szene zuzuordnen gewesen. Auch der Zeuge tippt auf auswärtige Täter. "Das waren Krawalltouristen", sagte er.

"Am Ende waren alle dabei - vom Punk bis zum Skinhead"

Möglicherweise wurde die Schlägerei tatsächlich von Neonazis angezettelt, die dann Verstärkung riefen. Möglicherweise entwickelte der Konflikt aber eine Eigendynamik. Denn ausgerechnet aus dem Jugendzentrum, das die Überfallwarnung an die Stadt weiterleitete, kamen heute auch Stimmen, die für die brutale Nacht nicht allein Rechtsradikale verantwortlich machen wollen. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", erzählte ein junger Mann SPIEGEL ONLINE. "Da waren am Ende alle dabei, von jung bis alt, vom Punk bis zum Skinhead." Von einem reinen Neonazi-Überfall könne keine Rede sein. Letztlich sei die gesamte Menschenmenge aus dem Zelt ins Freie gedrängt. "Als die Polizei kam, ist das ganze eskaliert." Beamte hätten gegen völlig Unbeteiligte Reizgas eingesetzt und auf am Boden liegende Personen eingeprügelt. 150 bis 200 Menschen hätten schließlich vor der Pizzeria gestanden, indem die Inder sich eingeschlossen hatten. "Das war wie ein kleiner Volksaufstand."

Bürgermeister Deuse und der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe, der früher Sachsens Innenminister war, haben die Verletzten heute im Oschatzer Krankenhaus besucht. Er sei "entsetzt", dass so etwas passieren konnte, sagt Kolbe. Nun müsse die Politik Flagge zeigen und den Opfern ihre Unterstützung zusagen. "Mügeln ist kein Ort der Rechtsradikalen, es gibt hier keine solche Szene."

Auch zwei junge Männer mit dicken Stiefeln stehen am Markplatz und beobachten das Geschehen an diesem Montagmittag. Sie sollen bei dem Angriff dabei gewesen sein, erzählt man sich. Auskunft geben wollen sie nicht.

"Gehen Sie weiter, sonst knallt's hier noch", sagen sie knapp und unmissverständlich.

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