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23.08.2007
 

Angriff in Mügeln

Inder fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen

Die bei der Hetzjagd in Mügeln verletzten Inder kritisieren die Polizeiarbeit. Niemand habe sich um sie gekümmert, stundenlang hätten sie verletzt auf einem Revier ausharren müssen. Die Aufklärung des Vorfalls läuft weiter schleppend.

Hamburg - Die Polizei habe sich nach dem Übergriff nicht ausreichend um sie gekümmert. Das ist der Hauptvorwurf, den die in Mügeln verletzten Inder heute geäußert haben. Kulvir Singh, der Besitzer des Restaurants, in das die acht Inder sich vor den Angreifern geflüchtet hatten, sagte, er habe mit seinen Freunden sechs bis acht Stunden auf dem Revier in Oschatz gesessen.

Medizinische Hilfe habe ihm niemand angeboten. "Niemand hat uns gefragt, ob wir Schmerzen haben oder ob jemand von uns ins Krankenhaus möchte." Singh wurde bei der Hetzjagd ebenso verletzt wie die anderen sieben Inder.

Die Polizei wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Sowohl in Mügeln als auch auf dem zuständigen Revier in Oschatz, wohin sich die Inder zu ihrer Sicherheit freiwillig begeben haben, war jeweils ein Notarzt vor Ort", sagte eine Polizeisprecherin der Direktion Westsachsen. "Da wir erst einen Dolmetscher anfordern mussten, hat die Befragung allerdings etwas länger gedauert", räumte die Sprecherin ein.

Singh, seit 17 Jahren in Deutschland, verwahrte sich indes gegen Spekulationen von Seiten der Ermittler, die Gewalt sei an dem Abend nicht nur von den Deutschen, sondern auch von ihm oder seinen Freunden ausgegangen. Von einer "normalen Bierzeltschlägerei", wie sie der Bürgermeister von Mügeln dargestellt hatte, will Singh nichts wissen. "Wir haben dort friedlich getanzt", sagte er. Und dies habe offenbar einigen auf dem Festzelt nicht gepasst. Als sich die Situation dann zuspitzte, habe er mit seinen Freunden das Zelt verlassen. Am Ausgang habe dann die Gruppe Deutscher auf sie gewartet.

Opferberater bezeichnen Volksfeste als No-go-areas

Die Opferberatung Amal, die die Inder derzeit betreut, unterstellte Politik und Polizei eine Beschwichtigungstaktik. Es sei unbegreiflich, dass die Ereignisse verniedlicht würden, sagte der Vertreter der Opferberatung, Ingo Stange. Volksfeste wie in Mügeln könnten als No-Go- Areas - gefährliche Zonen vor allem für dunkelhäutige Menschen - bezeichnet werden. "Es gibt in den sächsischen Landkreisen rechtsextreme Gruppierungen, die sich schnell organisieren können und als selbsternannte Dorfpolizisten für Ordnung sorgen wollen", sagte Stange.

Die Polizei hat nach der Hetzjagd auf acht Inder am Wochenende ihre Ermittlungen verstärkt. Die 16-köpfige Ermittlungsgruppe wurde um zehn Beamte aufgestockt. "Das läuft heute an", sagte ein Polizeisprecher. Zudem sollte eine Anlaufstelle für Zeugen ihr Arbeit aufnehmen. Bisher wurden Ermittlungsverfahren gegen zwei Männer aus Mügeln wegen Landfriedensbruchs eingeleitet. Es seien noch keine weiteren Verdächtigen ermittelt worden.

Nach bisherigen Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Gewaltausbruch in der Nacht zu Sonntag nicht um einen ursächlich rechtsextremen Angriff auf die Ausländer gehandelt hat. Auslöser soll eine Rangelei im Festzelt gewesen sein, die eskalierte.

Nachdem sich die Inder in die nahegelegene Pizzeria eines Landsmannes geflüchtet hatten, wurden sie von einem Mob aus etwa 50 Personen belagert. Inzwischen steht fest, dass dabei ausländerfeindliche Parolen gebrüllt wurden. Bei dem Vorfall wurden alle acht Inder, vier Deutsche und zwei Polizisten verletzt.

mgb/dpa/ddp

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