Hamburg/Berlin - Er ist nicht der Erste und wird auch sicherlich nicht der Letzte sein: Der Vorsitzende der Linken, Lothar Bisky, bezweifelt die Existenz eines allgemeinen Schießbefehls der DDR an der früheren innerdeutschen Grenze. Er kenne kein entsprechendes Dokument."Für mich ist nicht belegt, dass es einen generellen Schießbefehl gab. Denn den hätte nur der Nationale Verteidigungsrat beschließen können. In dieser Form ist er meines Wissens nicht dokumentiert", sagte Bisky der "Bild am Sonntag".
Lothar Bisky: "Für mich ist nicht belegt, dass es einen generellen Schießbefehl gab"
In diesem Zusammenhang erinnerte der Linke-Chef an den Schauspieler Ulrich Mühe. Er kenne "eine Reihe von jungen Männern, die an der Grenze Dienst getan haben und die nicht geschossen haben. Der kürzlich verstorbene Schauspieler Ulrich Mühe war einer von ihnen. Man musste nicht schießen."
Bisky verhält sich damit ähnlich wie die frühere SED-Führung. Zu Zeiten der DDR hatte das Regime unter Erich Honecker stets dementiert, dass die Grenzsoldaten einen Schießbefehl hätten. Auch später hielten der im "Politbüro-Prozess" angeklagte letzte SED-Chef Egon Krenz und die Chefs der DDR-Grenztruppen daran fest. Die Verantwortung schoben sie auf die Sowjetunion: Die Führung in Moskau habe darüber entschieden, ob an der Grenze zum Westen scharf geschossen wurde. Schreiben des Politbüros, der Stasi und der DDR-Grenztruppen bewiesen jedoch, dass die SED-Politiker sehr wohl Einfluss hatten.
Gegen "DDR-Nostalgie" sei er immun, betonte Bisky. "Ich möchte die DDR nicht wiederhaben. Aber es gab dort eben auch sehr vernünftige Dinge, die man übernehmen sollte. Das macht gerade Familienministerin von der Leyen vor mit den Kinderkrippen."
ler/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema DDR | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH