Von Florian Gathmann, Mügeln
Am Ende sind es vier junge Musiker aus der Nähe von Berlin, die Mügeln retten. Jedenfalls für diesen Abend. Weil sie endlich das sagen, was von der sächsischen Kleinstadt an diesem Tag erwartet wurde.
Die populäre Rockband "Virginia Jetzt" sollte eigentlich die Polit-Debatte im Hof des Mügelner Schlosses mit einem furiosen Konzert beschließen. Doch stattdessen halten die Musiker nach nur einem Lied inne. "Wir haben heute nicht ein einziges Mal eine Entschuldigung gehört", sagt Gitarrist Thomas Dörschel auf der Bühne unterhalb des runden Schlossturms. Aber man könne doch nicht leugnen, was genau eine Woche zuvor in der Stadt passiert sei.
Es ist sehr ruhig in diesem Moment.
Acht Inder wurden vor einer Woche nach dem Stadtfest von einem Mob zum Teil schwer verletzt. Unklar ist immer noch, wie die Auseinandersetzung begann - aber unzweifelhaft waren rechtsradikale Parolen zu hören, unzweifelhaft waren acht Inder das Ziel der Angriffe.
"Es gibt hier Fremdenhass", sagt Dörschel, so wie es ihn anderswo auch gebe. "Aber in Mügeln ist etwas passiert." Deshalb werde die Band ihr Konzert nicht wie geplant fortsetzen, nur noch ein Lied spielen.
Pfiffe. Aber auch leiser Beifall.
"Mügeln setzt Zeichen": Unter diesem Motto hatten Jörg Mertens-Nachtweide und seine Frau Sonja für den Sonntag auf Schloss Ruhethal geladen. Das Bonner Ehepaar hatte 2005 das mehr als 400 Jahre Bauwerk gekauft, um hier ein Kulturzentrum einzurichten "und um hier alt zu werden", sagt Sonja Nachtweide. Ihre drei Kinder gehen in Mügeln und Umgebung zur Schule. Inzwischen gibt es einen Förderverein für Schloss Ruhethal, vor zwei Wochen kamen fast 4000 Menschen zu einer öffentlichen Veranstaltung.
Nach den Übergriffen auf die Inder haben die Nachtweides einen offenen Brief geschrieben, in dem sie die Hetzjagd scharf verurteilen - genauso wie die mangelnde Bereitschaft, sich mit der Fremdenfeindlichkeit in der Region auseinanderzusetzen. Allerdings kritisierten sie auch eine kollektive Brandmarkung der Stadt als Hort der Rechtsradikalen.
Das andere Mügeln - es ist schon erkennbar an diesem Tag
Diesen Brief fand man bei "Jump", der Jugendwelle des Mitteldeutschen Rundfunks, so gelungen, dass die Radioleute innerhalb von wenigen Tagen die Logistik für ein Rockkonzert und eine Live-Podiumsdiskussion im Schlosshof organisierten. Das andere Mügeln sollte sich da präsentieren. Das offene, das freundliche - auch gegenüber Fremden. Vor allem aber das selbstkritische.
Selbst Bürgermeister Gotthard Deuse hatte sich von dieser Idee begeistern lassen. Auf dem Podium wollte er gerne Platz nehmen. Deuse ist jener Mann, der in den Tagen nach den Übergriffen jeden Verdacht gegen seinen Ort zurückgewiesen hatte. Rechtsradikale gibt es nicht in seinem Mügeln. FDP-Mann Deuse ist hier seit 17 Jahren Bürgermeister.
Das andere Mügeln - es ist erkennbar an diesem Tag. Es gibt eine Wand, an der man sich mit Graffiti oder anderen Malereien verewigen kann, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu protestieren. Die Schlossbesitzer haben etliche Dinge aus ihrem historischen Fundus ausgestellt. Es wird erzählt, wie am Vorabend nach einem ökumenischen Gottesdienst sogar Blumen vor der Pizzeria niedergelegt wurden, in die sich die Inder geflüchtet hatten. "Obwohl ich das auch schon wieder ein bisschen geschmacklos finde", sagt Nora Brückner. Die Rentnerin ist Fremdenführerin - und fühlt sich der Region verpflichtet.
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Zu 1: Den Großteil des Landes sicherlich nicht, aber ein kleiner Teil beweißt das Gegenteil. Zu 2: "Fremden"freundlichkeit? Was bedeutet denn Fremd? Willkommen auf dem Planeten Erde, und wenn es Sie auch schocken [...] mehr...
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