Nanjing - Die Welt der Wissenschaft ist für sie passé - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ausgeschlossen, jemals wieder in ihren ursprünglich erlernten Beruf der Physikerin zurückzukehren. "Ich bin jetzt schon 17 Jahre in der Politik, mit mir kann man überhaupt nichts mehr anfangen", sagte sie beim Besuch des deutsch-chinesischen Rechtsinstituts an der Universität Nanjing. "Für die Forschung bin ich verloren."
In einer Diskussionsrunde hatte eine Studentin Merkel vorgeschlagen, an der Universität Nanjing als Physikerin zu arbeiten. "Ich glaube, aus dem Vorschlag wird nichts", enttäuschte Merkel die Studentin. In der Physik verdoppele sich das Wissen alle vier Jahre, erklärte sie. An der Uni müsste sie als Senioren-Studentin erst wieder einen Grundkurs besuchen und könnte allenfalls noch populärwissenschaftliche Vorträge halten. "Ich bin im Zweifelsfall bei ihrem Rechtsinstitut besser aufgehoben, als in der physikalischen Sektion."
Merkel räumte ein, dass ihr 1990 nach der Wende der Wechsel in die Politik schwer gefallen sei. Der größte Unterschied sei für sie gewesen, "dass man in der Politik alles sehr oft wiederholen muss, damit möglichst viele Menschen auch verstehen, was wir wollen", sagte die Kanzlerin. "In der Wissenschaft muss man möglichst alles nur einmal sagen, und dann muss man schon wieder etwas Neues erfinden."
In der Umstellungsphase seien ihre Reden deswegen recht kurz geraten, erzählte Merkel. "Ich habe das ein bisschen langweilig gefunden", da man vieles mehrfach sagen müsse.
flo/AP
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