Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
05.09.2007
 

Festnahmen

Verdächtige hatten Kontakt zu usbekischen Militanten

Von Yassin Musharbash

Sie besuchten ein Trainingscamp in Pakistan, korrespondierten regelmäßig mit Verbindungsleuten: Die drei Terror-Verdächtigen hatten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Verbindungen zur "Islamic Jihad Union" - die bereits Anschläge gegen israelische und US-Ziele ausführte.

Berlin - Es habe in den vergangenen Monaten Austausch und Kommunikation zwischen der mutmaßlichen Terrorzelle in Deutschland und Personal der "Islamic Jihad Union" (IJU) in Pakistan gegeben, heißt es aus deutschen Sicherheitskreisen. Auch wenn die IJU eigentlich usbekischen Ursprungs ist, hat sie sich in den letzten Jahren nach Pakistan orientiert.

Kämpfer der IJU: Verbindungen zwischen Deutschland, Usbekistan und Pakistan
Zur Großansicht

Kämpfer der IJU: Verbindungen zwischen Deutschland, Usbekistan und Pakistan

Als sicher gilt nach Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen, dass die drei Festgenommenen Daniel S., Fritz G. und Aden Y. sich im vergangenen Jahr in Pakistan in einem militärischen Trainingslager aufhielten. Ob die IJU-Kader ihren deutschen Gesinnungsgenossen Anweisungen gaben, jene Bombe zusammenzubasteln, bei deren Bau sie nun verhaftet wurden, ist dagegen noch unklar.

Nach Erkenntnissen der Behörden und unabhängiger Experten etablierte sich die IJU 2002 als radikale Absplitterung der "Islamischen Bewegung" Usbekistans. Einer ihrer Anführer, der sich Ebu Yahya Muhammed Fatih nennt, nannte in dem Interview freilich 2003 als Gründungsjahr. Im Sommer 2004 folgten jedenfalls die ersten Anschläge - unter anderem gegen die israelische und die US-Botschaft in der usbekischen Hauptstadt Taschkent sowie gegen das Büro des Generalstaatsanwalts. Insgesamt kamen bei der Terrorkampagne 47 Personen ums Leben.

Die Gespräche zwischen Deutschland und Pakistan belegen also eine Verbindung zur IJU - wie genau sie aussah und wie sie zustande kam, ist noch nicht bekannt. Es scheint, als fehle den Behörden ein Bindeglied in der Kette. Vielleicht gab es eine oder mehrere Verbindungspersonen der IJU in Deutschland, die die Verhafteten mit Informationen und Kontakten versorgten oder sie sogar selbst rekrutierten. Man setzte jetzt auf die Vernehmungen.

IJU seit Herbst 2006 auf dem Radar

In Deutschland tauchte die IJU erstmals im vergangenen Herbst als konkrete Bedrohung auf dem Radar der Fahnder auf: US-Behörden warnten, dass die Gruppe ein Netz von Aktivisten aufbaue. Im Frühjahr dieses Jahres warnten US-Behörden dann ihre Bürger sogar öffentlich vor einer gestiegenen Anschlagsgefahr in Deutschland, wieder ging es um die IJU.

Die IJU ist als Organisation bisher wenig ausgeleuchtet. Man kennt mutmaßliche Namen eines religiösen Führers und eines operativen Leiters. Außerdem sollen Veteranen des afghanischen Dschihads gegen die Russen in ihren Reihen aktiv sein. In der Türkei werden ebenfalls IJU-Verbindungskader vermutet.

In den Reihen von al-Qaida fanden sich in den vergangenen Jahren immer wieder Namen usbekischer Kämpfer. In mehreren zentralasiatischen Staaten gibt es militante, islamistische Bewegungen, die zum Teil miteinander, zum Teil aber auch mit al-Qaida und den Taliban kooperieren. Lokal richten sich ihre Aktivitäten gegen US-Einfluss und die eigenen Regime. Sie verfolgen möglicherweise auch internationale Ziele - oder haben zumindest nichts dagegen, wenn in ihrem Namen oder mit ihrer Hilfe im Ausland vorgegangen wird.

Im internationalen islamistischen Terrorismus ist zwar Osama Bin Ladens Netzwerk al-Qaida noch immer die Bezugsgröße. Aber mit dem Beginn des Afghanistankriegs in Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 ist vieles in Bewegung geraten. Fast alle islamistischen Terrororganisationen agieren seitdem mit weniger hierarchischen Strukturen und setzen vermehrt auf die Eigeninitiative ihrer Kader.

Dadurch sind neue Kooperationen entstanden, oft auf individueller Basis, so dass es manchmal gar nicht mehr eindeutig möglich ist, einen Anschlag oder einen Plan auf eine einzelne Organisation zurückzuführen. So könnte es auch in diesem Fall gewesen sein. Noch aber ist es für ein abschließendes Urteil zu früh - die Vernehmungen haben noch nicht einmal begonnen.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH













Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern