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Islamisten-Razzia Bombenbauer planten massiven Terrorschlag

2. Teil: "Wir haben es hier mit absolut überzeugten Tätern zu tun"

Seitdem beobachten die Behörden die Gruppe rund um die Uhr, Hinweise von den Verfassungsschutzämtern flossen mit ein und auch die US-Behörden lieferten Material zu. "Das Miteinander hat in diesem Fall zum Glück funktioniert", sagte ein Beamter. Innenminister Wolfgang Schäuble sagte, die Planungen seien "nicht in ein gefährliches Stadium" gekommen, da alle Behörden aktiv waren.

Späh-Fahrt am Silvestertag

Aufgefallen waren Mitglieder der Gruppe vor allem am Silvestertag 2006. Damals war zumindest Fritz G. in einem Auto, das die Fahnder beobachteten, auffällig häufig um eine US-Kaserne in Hanau herumgefahren. Der Verdacht lag nahe, dass er und seine Mitverdächtigen die Einrichtung für einen möglichen Anschlag ausspähten. Folglich intensivierten die Behörden ihre Recherchen und eröffneten im März 2007 ein offizielles Verfahren beim Generalbundesanwalt.

Dass die Männer weiter an ihrem Plan arbeiteten, erschreckte die Behörden. Mehrmals schon musste der Gruppe bewusst gewesen sein, dass sie beobachtet wurden. "Dass sie trotzdem weiter arbeiteten, zeigt, wie entschlossen sie waren", so ein Fahnder. "Wir haben es hier mit absolut überzeugten Tätern zu tun." Demnach waren die Männer bereit, bei den möglichen Anschlägen zu sterben. Für die Fahnder bestätigt sich damit ihre Theorie, dass Deutschland in der Tat "voll ins Zielspektrum des internationalen Terrorismus" geraten ist.

Sicher ist, dass alle drei Männer intensive Kontakte nach Pakistan pflegten, vermutlich zu der dort agierenden "Islamic Jihad Union" (IJU). Daniel S. besuchte nach den Recherchen der Behörden im März 2006 ein Trainingslager für Terroristen. Die beiden anderen Festgenommenen hielten sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Ende 2006 ebenfalls in Pakistan auf, vermutlich auch in Trainingslagern. Die Behörden schnappten danach auch immer wieder Telefonkontakte der Verdächtigen nach Pakistan auf. Die IJU hatte 2006 in Usbekistan bereits einen schweren Anschlag mit vielen Toten verübt und agiert nun vermehrt in Pakistan.

Welche Ziele die Gruppe tatsächlich in Deutschland angreifen wollte, ist bisher unklar. In abgehörten Gesprächen unterhielten sich die Männer immer wieder über mögliche Anschlagsziele. Dabei wurden der Flughafen Frankfurt am Main und andere Airports, die US-Basis Ramstein aber auch andere Orte wie zum Beispiel Diskotheken genannt. "Einen konkreten Plan gab es noch nicht", sagte ein Ermittler, "doch der Wille war eindeutig erkennbar". Einer der Verdächtigen soll klar geäußert haben, dass er zum Märtyrer-Tod bereit sei.

Die Ergebnisse der Ermittlungen gegen die Gruppe besorgten die Bundesregierung seit Monaten. Immer wieder, wenn Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) von einer deutlich erhöhten Terror-Gefahr für Deutschland sprach, spielte er auf die verdeckten Ermittlungen gegen die Gruppe an. Auch die USA hatten Hinweise auf die Verbindungen der Männer nach Pakistan und warnten die deutschen Behörden. Zudem erhöhten die USA die Sicherheitsvorkehrungen für ihre Einrichtungen, als die Ermittlungen erste Ergebnisse erbrachten.

Die Tendenz der Gruppe ist recht klar dokumentiert. Vor allem Fritz G., der in Ulm ein bekanntes Mitglied der radikalen islamistischen Szene ist, kennen die Fahnder seit längerem. G. gilt als führendes Mitglied einer ganzen Gruppe von radikalisierten Islamisten, die sich in Ulm angesiedelt haben. Auch die beiden anderen Verdächtigen hatten offenbar enge Kontakte zu dieser Gruppierung. Die Tendenzen in Ulm waren schon vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 bekannt, die Behörden beobachteten die Szene dort intensiv.

Einen Zeitplan für die möglichen Anschläge kennen die Ermittler bisher nicht. Möglich erscheint nach Aussage von Spitzenbeamten, dass die Attacke entweder zum Jahrestag des 11. Septembers oder anlässlich des zu verlängernden Mandats für die deutsche Afghanistan-Mission geplant gewesen sein könnte. Die beschafften Chemikalien haben eine kurze Halbwertzeit, die Zeit drängte also. Allerdings erscheint fraglich, ob die Gruppe den aufwendigen Bombenbau bis dahin hätte fertig stellen können.

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Behörden nun von den Verhören der Verdächtigen. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen, hieß es von der Bundesanwaltschaft.

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