Von Nicole Meßmer
Wiesbaden - Gestern erst musste Pit Metz in Berlin zum Krisengespräch beim Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch antreten. Nach Informationen des SPIEGEL gingen hohe Parteifunktionäre bereits unmittelbar nach diesem Gespräch davon aus, dass Metz seine Spitzenkandidatur schon bald zurückziehen würde.
Am Mittwochabend dann stand fest: Die Linke muss sich für die hessischen Landtagswahlen im Januar nächsten Jahres einen neuen Spitzenkandidaten suchen. Der ehemalige DKP-Politiker Metz verzichtet nach massiver parteiinterner Kritik auf seine Nominierung. Dies teilte der Wahlkampfleiter der Linken, Bodo Ramelow, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin mit. Nach seinen Worten fühlte sich Metz "überfordert".
Noch am Abend wollte Metz seinen Entschluss bei einer Regionalkonferenz der Linken in Marburg offiziell mitteilen. Ramelow zufolge begründete er seinen Rückzieher damit, dass er unterschätzt habe, wie sehr seine Person und seine Vergangenheit innerhalb der Partei polarisiere. Die Linke würde auf diese Weise aber "eher geschwächt als gestärkt".
Das frühere DKP-Mitglied Metz war erst vor eineinhalb Wochen beim Landesparteitag der hessischen Linken überraschend zum Spitzenkandidaten gewählt worden. Der eigentliche Favorit, der frühere DGB-Vorsitzende Dieter Hooge, hatte die Basis zuvor gegen sich aufgebracht, weil er bereits im Mai eine fertige Liste für die Listenplätze eins bis zwölf herausgebracht hatte. Die Parteibasis fühlte sich übergangen und stimmte für Metz.
Doch Metz sorgte anschließend mit umstrittenen Äußerungen für Schlagzeilen. So verglich er den Schießbefehl an der ehemaligen DDR-Grenze mit den Vorschriften für deutsche Soldaten in Afghanistan und bezeichnete sich als Kommunisten. Das Ex-KPD-Mitglied erklärte auch, er strebe einen "Systemwechsel" an.
Am Samstag findet ein weiterer Landesparteitag in Hessen statt, auf dem der zweite Teil der Listenwahl ab Platz sieben gewählt werden soll. Der Kreisverband Odenwald hatte einen offenen Brief an Metz geschrieben, indem er diesen aufforderte, sich für den Schießbefehl-Vergleich zu entschuldigen und eine klare Aussage zu seiner Mitgliedschaft bei den Linken zu treffen. Andernfalls wolle der Kreisverband der Gesamtliste die Zustimmung verweigern. Damit wäre auch Metz nicht gewählt gewesen.
Entschuldigung gefordert
Der Kreisvorsitzende Berthold Pfeiffer sagte heute noch vor Metz' Rückzugsankündigung zu SPIEGEL ONLINE, dass er eine klare Entschuldigung erwarte. "Es geht uns nicht darum, unsere Partei kaputt zu machen oder Herrn Metz etwas anzuhängen. Aber diese Äußerungen fünf Minuten nach seiner Wahl loszulassen, war einfach zu viel."
Pfeiffer stellte in Frage. ob Metz eine glaubwürdige Entschuldigung vorbringen würde. Denn zwar fand am Samstag in Frankfurt ein Treffen der hessischen Kreisverbände statt, auf dem sich Metz auch zu dem offenen Brief der Odenwälder und den Vorwürfen äußerte. Aber: "Das hat uns bislang nicht überzeugt, was Metz gesagt hat", so Pfeiffer.
Pfeiffer und sein Kreisverband fürchteten vor allem Schaden für das Image der Partei. In dem offenen Brief heißt es: "Unsere politischen Gegner freuen sich jedenfalls und sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Der Schaden, den Sie mit Ihrem altkommunistischen Geschwätz angerichtet haben, ist gar nicht mehr zu beheben, wirft uns Jahre zurück und wird zu dem Ergebnis führen, dass die Linke im Januar 2008 nicht in den hessischen Landtag einzieht."
Kurz nach den Äußerungen von Metz ließ Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die Junge Union vor dem Bürgerhaus in Frankfurt-Bornheim demonstrieren, in dem die Linke tagte. Die Demonstranten beschimpften die Tagenden als "Mauerschützen". Kein Wunder, dass Pfeiffer und sein Kreisverband weniger streitbare Zeitgenossen vorziehen: Auch wenn Hooge Fehler gemacht habe - "jemand wie er, der aus der Gewerkschaft oder aus gemäßigteren Kreisen kommt", wäre ihnen lieber, so Pfeiffer.
Auch die Parteispitze schien das jetzt so zu sehen. Am Abend beugte sich Metz dem Druck und ließ verbreiten, dass er auf die Spitzenkandidatur verzichte.
mit Material von dpa
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