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CSU-Kandidat Huber "Holzen ist nicht mehr gefragt"

2. Teil: Lesen Sie in Teil 2: Erwin Huber über den Satz "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein"

SPIEGEL ONLINE: Eine Gruppe jüngerer Unions-Politiker hat jetzt ein Thesenpapier zum Konservatismus vorgelegt. Sind Sie in dem Sinne ein Konservativer?

Huber: Ich bin ein Wertkonservativer. Es geht in der CSU auch immer um Grundwerte, die über den jeweiligen zeitgeistigen Strömungen erhalten bleiben müssen: Ehe und Familie, die Liebe zum Vaterland, zur Heimat. Auch bürgerliche Tugenden in ihrer zeitgemäßen Anwendung. Ich freue mich, wenn sich etwa junge Leute zur Leistungselite bekennen.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt eher nach FDP denn CSU.

Huber: Wer das sagt, kennt mich zu wenig. Wir haben ausdrücklich im CSU-Programm den Begriff der "solidarischen Leistungsgesellschaft" festgehalten. Das ist die zeitgemäße Interpretation der sozialen Marktwirtschaft.

SPIEGEL ONLINE: Herr Seehofer betont, er sei Sohn eines Bauarbeiters, Sie sind Sohn einer Kriegerwitwe, haben sich wie ihr Kontrahent hochgearbeitet. Damit sind Sie auch typische Vertreter des Aufstiegsmodells der alten Bundesrepublik. Seehofer zieht aus seinem Leben den Schluss, der Staat müsse den einfachen Menschen Schutz bieten. Welchen Schluss ziehen Sie?

Huber: Dass es zunächst auf die eigenen Anstrengungen ankommt und nicht auf die Forderungen an das Kollektiv. Natürlich muss man denen helfen, die ohne Hilfe nicht auskommen. Aber Vorrang hat für mich die Stärkung und Entfaltung der freien Persönlichkeit. Ich habe mich selbst hingesetzt und meine Talente zur Entfaltung gebracht - natürlich mit der Hilfe der staatlichen Angebote. Aber in dem Bewusstsein: Ich fordere von mir selber etwas. Das ist aus meiner Sicht auch eine wertkonservative Tugend in einer Welt, in der viele nach dem Ausbau des Betreuungsstaats rufen.

SPIEGEL ONLINE: Gehört der Satz, 'Ich bin stolz ein Deutscher zu sein', auch zu ihrer Auffassung von Konservatismus?

Huber: Ich habe keine Probleme, diesen Satz zu sagen, verstehe ihn im Sinne von Heimatliebe. Deutschland hat schließlich der Welt auch viel Gutes gebracht.

SPIEGEL ONLINE: Solch einen Satz sagt aber auch die NPD.

Huber: Wir dürfen doch nicht die Terminologie den Rechtsradikalen überlassen! Menschen, die Vaterlandsliebe empfinden, sollen auch bei uns eine politische Heimat haben. Ich bin da ganz auf der Linie unseres früheren CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß: Wir integrieren diejenigen, die rechts im demokratischen Spektrum sind - wir bekämpfen aber alle, die sich außerhalb dieses Spektrums bewegen. Das ist unser doppelter Auftrag als CSU.

SPIEGEL ONLINE: Die CSU also als rechter Flankenschutz der Union?

Huber: Wir sprechen auch Dinge an, die manche nicht ansprechen würden. Nehmen Sie nur unsere Forderung in den neunziger Jahren, den Missbrauch des Asylrechts zu bekämpfen. Da haben uns auch manche in der CDU gesagt: Redet weniger drüber, dann ist das Thema auch nicht da. Aber das Problem war vorhanden! Und erst als wir das Grundgesetz zusammen mit CDU und SPD und FDP geändert haben, haben wir auch - als Nebeneffekt - den radikalen Parteien das Wasser abgegraben.

Das Interview führten Sebastian Fischer und Severin Weiland

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