• Drucken
  • Senden
  • Feedback
18.09.2007
 

Terrorabwehr

Jung rekrutiert befehlstreue Piloten für Alarmrotten

Die Vorsorge ist bereits getroffen: Das Verteidigungsministerium hat sich laut einem Bericht abgesichert, dass es bei einem Befehl zum Abschuss einer entführten Zivilmaschine nicht zur Verweigerung kommt. Die zuständigen Alarmrotten-Piloten seien "hundertprozentig zur Befehlsausübung" bereit.

Leipzig/Hannover - Seine Ankündigung, von Terroristen entführte Passagiermaschinen notfalls auch ohne Gesetzesgrundlage abschießen zu lassen, hat Verteidigungsminister Frank Josef Jung (CDU) heftige Kritik eingebracht. Sein Ministerium hat nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" für den Notfall schon vorgesorgt: Als Piloten für die im norddeutschen Wittmund und im süddeutschen Neuburg stationierten Alarmrotten zur Luftraumüberwachung kämen nur solche Offiziere zum Einsatz, "die im Fall eines übergesetzlichen Notstandes zur hundertprozentigen Befehlsausübung bereit sind", versicherte ein deutscher Offizier aus einer der für Deutschland zuständigen Nato-Luftverteidigungseinsatzzentralen gegenüber der Zeitung.

Alarmrotte: "Befehlsverweigerung nicht vorstellbar"
Zur Großansicht
DDP

Alarmrotte: "Befehlsverweigerung nicht vorstellbar"

Die auf den beiden Flugplätzen stationierten Alarmrotten sind rund um die Uhr in Bereitschaft und im Alarmfall spätestens nach 15 Minuten in der Luft. Eine "Befehlsverweigerung" sei in diesem Sinne auf Grund der Vorabsprachen deshalb "nicht vorstellbar", sagte der Offizier.

Zugleich wurde darauf verwiesen, dass Jung sich im absoluten Krisenfall am früher angekündigten Verhalten seines SPD-Amtsvorgängers Peter Struck orientieren würde. Dies habe der Minister in Gesprächen mit der Luftfahrt-Generalität zum Ausdruck gebracht. Demnach würde auch der amtierende Verteidigungsminister bei einem eventuellen Abschussbefehl nach Abschluss der Operation seinen Rücktritt erklären, sollte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine gesetzliche Regelung für solche Situationen in Kraft sein.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, rief unterdessen Soldaten zu Befehlsverweigerung auf, sollte sie Verteidigungsminister Jung zum Abschuss einer in Terrorabsicht entführten Passagiermaschine auffordern. "Wer ein Passagierflugzeug abschießt, wäre ganz schnell auf der Anklagebank. Hier wäre der Straftatbestand des Totschlags erfüllt", sagte Gertz der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Artikel 11 II des Soldatengesetzes verbiete es außerdem, Befehle auszuführen, die ein Verbrechen beinhalteten. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Luftsicherheitsgesetz sei die Berufung auf einen übergesetzlichen Notstand nicht mehr möglich. Das Bundesverfassungsgericht habe einen solchen Abschuss klar ausgeschlossen. Das müsse auch der Verteidigungsminister akzeptieren.

Auch in der Politik reißt die Kritik an Jungs Position nicht ab: SPD-Parteichef Kurt Beck hat den Verteidigungsminister zur Revision seiner Position aufgefordert. "Wenn jetzt eine Seite versucht, das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes umzuinterpretieren, dann haben wir eine schwierige Situation", sagte Beck in Berlin. Man müsse auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagen, dass Vorkehrungen für die Sicherheit der Bürger im rechtsstaatlichen Rahmen und im Sinne der Verfassung erfolgen müssten. Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Bundeskanzlerin muss Jung an seinen Amtseid erinnern, sonst ist er nicht mehr länger tragbar."

Dagegen zeigte Unions-Verteidigungsexperte Jürgen Herrmann (CDU) Verständnis für Jung. "Wir können doch nicht zusehen, wie ein Flugzeug in ein Stadion mit 70.000 Menschen rast", sagte er dem Blatt.

anr/AFP/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 2361 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.07.2010 von kaira1000: Da hab eich auch en Problem

Wie erklärt man den Wirtshafsopfern, das ihr recht auf Arbeit nicht Gewährleistet wird?Laut verfassung haben sie dieses ,das ist ein Verfassungsbruch den Menschen keine arbeit zu stekllen un die Ramenbedinungen hierzu zu schaffen! mehr...

29.06.2010 von Münchner:

Es geht alles so schnell in der Politik. mehr...

05.04.2009 von AlexWorX: peng

hm, bis jetzt hat noch kein flugzeug ein haus zum einstürzen gebracht. selbst wenn man dem mensch eine summe geld zuweist und dann den schaden gegenrechnet, bleibt es eine opferung von zivilisten... ich denke niemand würde 2 [...] mehr...

18.10.2007 von sülzer:

Ich kenne nicht den genauen Wortlaut des Urteils, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die 'Objektifizierung' der Aufhänger des Urteils war. Vielmehr ist das Antasten der Menschenwürde schon gegeben, wenn der Staat über das [...] mehr...

17.10.2007 von discurso:

Wer sollte denn sonst zuständig sein? Etwa die Politiker a la Schäuble und Jung, die das GG aushöhlen, brechen und zum Verfassungsbruch aufrufen? Ein Verfassungsminister, der gezieltes Töten von Gefährdern legitimieren lassen [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP