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18.09.2007
 

IPCC-Bericht auf Deutsch

Angriff auf die Leugner des Klimawandels

Von Sebastian Knauer

Ausgerechnet Ex-Autokanzler Gerhard Schröder profiliert sich als Retter des Weltklimas: In Berlin stellte er heute die deutsche Übersetzung des Uno-Weltklimareports vor. Das Werk rechnet mit den Leugnern des Klimawandels ab - und ihren Unterstützern.

Hamburg - Michael Müller, 59, weiß, wovon er redet. Vor ziemlich genau zwei Jahrzehnten hatte der SPD-Umweltexperte vorgeschlagen, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) um 30 Prozent zu verringern - durch Steigerung der Energieeffizienz, Ausbau der erneuerbaren Energien, Ausstieg aus der Kernenergie.

"Es ist hochinteressant, wer jetzt alles den Klimaschutz entdeckt", sagt Müller heute, rund 20 Jahre später.

Sogar Gerhard Schröder. Auch er tritt jetzt als Klimafreund auf - als Kanzler der rot-grünen Bundesregierung hatte er noch scharfe Abgasnormen für die deutsche Autoindustrie zu verhindern gewusst. Mit Blick auf den Klimaschutz stellt Schröder jetzt fest, dass es sich "nicht um Hysterie, sondern um wissenschaftliche Fakten" handele.

IPCC - der Klimarat der Vereinten Nationen

Ziele

ESA 2004
Der Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der World Meteorological Organization (WMO) gegründet, die ebenfalls zur Uno gehört. Der Inder Rajendra Kumar Pachauri ist seit Mai 2002 Vorsitzender des IPCC.

Der auch als Weltklimarat bezeichnete IPCC soll umfassend, objektiv und ergebnisoffen die wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen über den von Menschen verursachten Klimawandel bewerten. Das Gremium, dem Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt zuarbeiten, soll die Folgen und Risiken der Klimaveränderung abschätzen und ausloten, wie man sie abschwächen oder sich an sie anpassen kann.

Der IPCC führt keine eigenen Forschungsprojekte durch, sondern analysiert die Ergebnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die dem Peer-Review-Verfahren - der Prüfung von Fachartikeln durch unabhängige Gutachter - gefolgt sind. Mehr auf der Themenseite...

Arbeitsgruppen

Ergebnisse bisher

Heute stellte er den Sammelband "Der UN-Weltklimareport - Bericht über eine aufhaltsame Katastrophe" in Berlin vor. Herausgeber sind Müller und zwei Mitarbeiter aus dem Bundesumweltministerium, Ursula Fuentes und Harald Kohl. Zusammen haben sie die in diesem Jahr veröffentlichten Originalprotokolle des "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) ausgewertet und eingeordnet.

Müller: Fachleute "für 30 Silberlinge" gekauft

2500 Wissenschaftler haben in diesen Protokollen den letzten Stand des Wissens über die komplexe Klimaforschung zusammengetragen. In diesem Jahr wurden drei Berichte mit jeweils rund 1500 Seiten zu den Themen "wissenschaftliche Grundlagen der Klimaänderung, sektorale und regionale Verwundbarkeit, politische und ökonomische Optionen" veröffentlicht. Jetzt liegen die Berichte in deutscher Übersetzung vor.

Müller und seine Co-Herausgeber hatten als Teilnehmer der jeweiligen Konferenzen in Brüssel, Paris und Bangkok direkten Einblick in die Klima-Diplomatie. Bei der Bewertung der wissenschaftlichen Ergebnisse versuchte beispielsweise die US-Delegation, in den Brüsseler Sitzungen über 100-mal die Formulierung von "wird geschehen" in "wird voraussichtlich geschehen" abzuschwächen.

"Wir haben insgesamt viel Zeit verloren", sagt Müller. Er fordert die "Überwindung einer Wirtschaftsordnung, die in erster Linie auf den kurzfristigen Vorteil ausgerichtet ist". Er schreibt: "Der Schutz des Klimas macht nicht nur technische und ökonomische Maßnahmen notwendig, sondern erfordert zugleich kulturellen Wandel und sozialverträglichen Umbau."

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der das Vorwort verfasste, gibt die Marschrichtung vor. Wenn "China zur Werkbank", "Indien zum globalen Dienstleister" und "Russland zur Zapfsäule" werde, müsse sich Deutschland in dieser Arbeitsteilung als "Techniker für Effizienz, Ressourcenschonung und Klimaschutz" neu positionieren.

Das Werk rechnet mit den Leugnern des Klimawandels ab - und mit ihren Finanziers. "Für dreißig Silberlinge", so Müller, ließen sich auch renommierte Fachleute als Gegenlobby aufbauen. DaimlerChrysler etwa unterstützte - wie andere Großkonzerne - bis 2001 die Lobby-Gruppe "Global Climate Coalition". Deren Ziel sei es gewesen, "wissenschaftliche Befunde zu unterminieren", so Müller.

Wie sehr der Klimawandel – von tropischen Sommernächten in Hamburg bis zum Gletscher-Totalschwund auf der Zugspitze - in das Leben der Bundesbürger eingreifen wird, machen die Experten mit vielfältigen Untersuchungsergebnissen deutlich.

Buch-Vorsteller Gerhard Schröder beruft sich bei seinem Engagement für den Klimaschutz auf einen anderen Kanzler, auch einen Sozialdemokraten. "Die Globalisierung von Gefahren erfordert eine Weltinnenpolitik, die über den Horizont von Kirchtürmen, aber auch über die nationale Politik weit hinausreicht." Das Zitat stammt von Willy Brandt - aus dem Jahre 1979.

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