Von Sebastian Fischer, Fürth und Zirndorf
Ein Ministerposten ist nicht drin. Der designierte Regierungschef Günther Beckstein hat das schon kategorisch ausgeschlossen. Pauli sagt, sie mache "nicht mit in diesem Geklüngel". Sie wolle sich "alles selbst erarbeiten, nicht begünstigt werden". So werde man zur Ministerin nur ernannt, zur Landrätin aber vom Volk gewählt.
Es ist aber fraglich, ob die Bürger von Zirndorf, Oberasbach, Puschendorf und Obermichelbach im Landkreis Fürth Gabriele Pauli 1990 auch gewählt hätten, wäre sie in Latex aufgetreten und hätte ihnen eine Sieben-Jahres-Ehe vorgeschlagen.
Auch deshalb kann Pauli jetzt nicht mehr zurück in ihre heimelige Landrätinnenwelt. Natürlich ist sie bei ihren Leuten beliebt, auf Volksfesten ist sie "die Gabi". Aber sie ist dies nur zum Teil noch wegen ihrer praktischen, politischen Arbeit. Vielen gilt sie jetzt als fränkische Pop-Ikone, auf die man als traditionell widerständiger Franke per se stolz ist, weil sie es den Altbayern da unten in München mal ordentlich gegeben hat. Gabriele Pauli ist die Personifizierung des in Franken äußerst beliebten Autoaufkleberspruchs "Frei statt Bayern".
Pauli in der Klasse 5e
Den Zusammenprall der Welten gibt's an der staatlichen Realschule von Zirndorf: Da ist der Schulrektor Josef Nissler. Er habe 1300 Schüler, 42 Klassen, sagt er stolz im fränkischen Idiom. Nissler ist ein freundlicher Typ. Seine Schulgebäude sind nagelneu. Das ist auch der Landrätin Pauli zu verdanken. Und heute inspiziert sie die neuen Fenster. Eben noch hat sie die Befristung der Ehe gefordert.
Normalerweise kommt zu solchen Lokalterminen die Frau Dietz von den "Fürther Nachrichten". Heute ist der Bayerische Rundfunk da, das ZDF, natürlich auch RTL. Nissler stört das nicht. Er freut sich über die neuen Fenster und schätzt die Landrätin. Und als die Frau Dietz sagt, "Mensch, die vielen Kameras und der Stoiber, der hat Ihren Parteiaustritt gefordert ...", da lächelt die Landrätin und erklärt die Mediengesellschaft: "Die wollen jetzt wissen, wie ich auf die Reaktion reagiere und dann reagieren die anderen wieder auf meine Reaktion."
München liegt aus dieser Situation heraus gesehen auf einem anderen Planeten. Gabriele Pauli ist die Wanderin zwischen den Welten. Den Kindern der Klasse 5e erklärt sie vor laufenden Kameras, warum diese ganzen Journalisten hier mit ihr hineinplatzen: "Weil ich einige politische Aussagen gemacht habe, die interessieren." Die Kinder nicken und machen Fotos mit ihren Handys.
Gabriele Pauli sagt, dass sie sich nicht auf den Parteitag vorbereitet. Nein, auch über ihre Bewerbungsrede habe sie noch nicht nachgedacht: "Kurz davor werde ich entscheiden, was ich sage."
Alles, was über den Landkreis hinausgeht, erscheint bei Pauli manches Mal auch als Spiel. Sie lacht dann viel, auch über sich selbst. Während eines Telefoninterviews im Auto, in dem sie detailliert über ihr Ehekonzept Auskunft geben soll, muss sie so lachen, dass der Wagen leicht von der Spur abkommt. Als sie aber einen Wertstoffhof besucht, hört sie sich eineinhalb Stunden lang die Probleme des Geschäftsführers an und stellt dann noch zwei Kartons voller ausgemusterter Klamotten als Spende im Lager ab. "Subber Frau", sagen die Angestellten.
Am Abend, auf der Heimfahrt nach Hause, sagt Gabriele Pauli, sie sehe sich immer mal von außen, mit dem ganzen Geschehen drumherum: "Das ist wie ein Theaterstück - manchmal ein Abenteuer, manchmal eine Komödie und manchmal eine Satire."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH