Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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15.10.2007
 

Führungsstreit

Machtkampf in der SPD schwelt weiter

Von einem Ende des Führungsstreits in der SPD kann nach dem Kompromiss-Fax Franz Münteferings an Kurt Beck keine Rede sein. Der konservative Seeheimer Kreis lobt die neuen Vorschläge des Vizekanzlers, die der Parteichef aber nur zurückhaltend aufnahm.

Hamburg – Johannes Kahrs, Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, bezeichnete Münteferings neuen Vorschlag zum Arbeitslosengeld I (ALG I) als "guten Kompromiss". Er hoffe, dass es Müntefering und Beck gelinge, in den kommenden Tagen einen gemeinsamen Vorschlag zu entwickeln, sagte Kahrs der "Netzeitung". "Wichtig ist, dass der Vorschlag die Partei zusammenhält und in der Sache auch schlau ist."

Beck (l.) und Müntefering: Fax an den Urlaubsort
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REUTERS

Beck (l.) und Müntefering: Fax an den Urlaubsort

Müntefering, der Änderungen am ALG I anfangs abgelehnt hatte, hatte sich im Streit mit Beck zuletzt bedingt kompromissbereit gezeigt. Per Fax an Becks Urlaubsort in Spanien hatte der Arbeitsminister nach SPIEGEL-Informationen versucht, sein neues Angebot an den Rivalen zu übermitteln. Fortbildungszeiten sollen nicht auf die Bezugsdauer angerechnet werden, schlug er darin vor, Arbeitslose müssten zudem über 55 Jahre alt sein, um 24 Monate ALG I zu erhalten. Die Möglichkeit zur Frühverrentung soll für ältere Arbeitslose vollständig ausgeschlossen werden. Beck habe das Kompromisspapier aber nur mit Zurückhaltung aufgenommen, hieß es. In Becks Umgebung wurden sie nach Informationen des SPIEGEL als "bodenlose Frechheit" gewertet.

Ähnlich positiv wie Kahrs zu Münteferings Vorstoß äußerte sich auch Klaus Brandner, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD. "Die Ausweitung des Arbeitslosengeldes wird mit zwingenden Aktivitäten für eine Beschäftigung verbunden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Nun komme es auf die konkrete Ausgestaltung des Vorschlags an. Die Ausnahme, wonach ein längerer Bezug von Arbeitslosengeld durch eine Qualifizierungsmaßnahme schon heute möglich ist, sollte zur Regel werden.

Die Parteivize Elke Ferner hofft noch auf ein Ende des Machtkampfes rechtzeitig zum Parteitag, der Ende des Monats in Hamburg stattfindet. "Die Vorschläge von Kurt Beck und Franz Müntefering sind nicht unvereinbar", sagte sie. "Wenn ein Älterer schwer vermittelbar ist, dann darf eine Qualifizierungsmaßnahme nicht erst nach 18 Monaten Arbeitslosigkeit drangehängt werden."

als/dpa/ddp/Reuters/AP

WAS UNION UND SPD BEIM ALG I WOLLEN

CDU-Beschluss

Die CDU preschte beim Arbeitslosengeld I vor. Schon auf ihrem Düsseldorfer Parteitag 2004 hatte sie die Regelung der rot-grünen Bundesregierung kritisiert.

In den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte dann allerdings im November 2006 der Dresdner CDU-Bundesparteitag. Auf ihm setzte sich der nordrhein-westfälische Landeschef und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit einem Antrag durch, der auf eine Verlängerung der Zahlung von ALG I für ältere Arbeitnehmer hinausläuft. In der Begründung des NRW-Antrags hieß es damals: Das Ziel der Hartz-Reformen, erwerbsfähige Arbeitslose so schnell wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sei nicht erreicht worden.

Im Kern lautet der ALG-I-Beschluss des CDU-Bundesparteitags von Dresden wie folgt: Es soll eine Staffelung entwickelt werden, durch die sichergestellt sei, dass künftig jemand, der jahrzehntelang Beiträge gezahlt habe, länger Arbeitslosengeld erhält als jemand, der nur wenig eingezahlt hat. In der Begründung hieß es, die gegenwärtige Regelung sei "ungerecht" und führe dazu, "daß ganze Lebensentwürfe und Arbeitsbiografien entwertet werden".

Im Einzelnen sieht der CDU-Vorschlag vor: In Zukunft soll Arbeitslosengeld I im Regelfall bis zu zwölf Monate lang gezahlt werden. Allerdings wird differenziert. Wer mindestens 15 Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, soll bis zu 15 Monate lang unterstützt werden. Wer mindestens 25 Jahre eingezahlt hat, erhält vom Staat bis zu 18 Monate lang ALG I. Bei mehr als 40 Beitragsjahren soll das Arbeitslosengeld I dann bis zu 24 Monate lang gezahlt werden.

Beschlossen wurde zudem: Die Freibeträge zur Altersvorsorge sollen erhöht werden. Es sollen 700 Euro pro Lebensjahr, höchstens 45.500 Euro, gelten.

Bei der Sozialhilfe wird die gegenseitige (finanzielle) Einstandspflicht von Eltern für ihre Kinder als auch von Kindern gegenüber den Eltern wieder eingeführt.

Am Arbeitsmarkt will die CDU einen Kombi-Lohn einführen. So sollen Menschen mit erheblichen Vermittlungsproblemen eine Chance auf eine Teilhabe am Arbeitsmarkt und damit auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

Der Bezug des Kinderzuschlags wird vereinfacht. Er wird vorbehaltlich der Anrechnung von Kindereinkommen auf pauschal 100 Euro pro Monat und Kind festgelegt. Die Höchstzahlungsdauer von 36 Monaten wird ersatzlos gestrichen.

Der Vorschlag der CDU soll zudem "kostenneutral" erfolgen - sprich Einsparungen an anderer Stelle erwirtschaftet werden.

Beck-Vorschlag nach DGB-Modell

CDU-Beschluss zum Kündigungsschutz

Die jetzige gesetzliche Regelung zum ALG I

CDU-Beschluss und Jüngere

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