Von Florian Gathmann und Yassin Musharbash
Eine zweite Möglichkeit: der CDU-Koalitionspartner FDP. Ein auffälliger und charakterstarker Neuzugang wäre bei den Südwest-Liberalen sicherlich hochwillkommen - doch Metzger winkt auch hier ab. "Dann würde ich eher mein Mandat zurückgeben."
Dass Metzgers Abgang für die Grünen in jedem Fall ein PR-Desaster wäre, ist den Führungs-Grünen in Berlin bewusst. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer, selbst aus Baden-Württemberg, spart trotzdem nicht an deutlichen Worten: "Ich wundere mich, warum er, wenn er zu dem Thema eine so starke Meinung hat, die Diskussion auf der Landesdelegiertenkonferenz geschwänzt hat", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Diesen Vorwurf, den sich der Grüne auch schon von anderen Parteifreunden aus Baden-Württemberg anhören musste, hält Metzger für ungerecht: Er habe zum Zeitpunkt der Debatte einen Termin im nahen Herrenberg als Hauptredner zum Thema "Der Mittelstand: Lastesel der Gesellschaft" wahrgenommen. "Das wussten alle", sagt er. Völlig egal, findet Boris Palmer: "Da muss man halt Prioritäten setzen - das hätte er absagen müssen."
Parteichef Bütikofer warnt
Mit Blick auf den Parteitag in Nürnberg und die bis dahin noch zu führende Debatte über Grundeinkommen oder Grundsicherung ist Parteichef Bütikofer nun skeptisch: "Ich fürchte, dass diese Art von Paukenschlag in der Diskussion den gegenteiligen Effekt haben könnte, dass jetzt nämlich etliche sagen: Wenn der Oswald so entschieden dagegen ist, dann muss das Grundeinkommen ja eine spannende Idee sein!"
Bei den Spitzen-Grünen in Berlin, so viel wird beim Umhören schnell klar, gibt es nicht mehr viele, die das ewige Talent Metzger für unersetzlich halten. Höchstens in Baden-Württemberg würde sein Abgang wegen seiner Strahlkraft ins bürgerliche Lager wohl noch schmerzen. Aber auch in dieser Funktion ist Metzger längst nicht mehr der einzige. Auch Fraktionschef Winfried Kretschmann ist zum Beispiel vermittelbar bis in tiefkonservative Südwest-Wählerschichten.
Kretschmann wiederum gilt als Freund Metzgers - und er hofft jetzt auf die Einsicht seines Vertrauten: "Metzgers Platz ist bei den Grünen", sagte Kretschmann SPIEGEL ONLINE. "Das war vielleicht etwas vorschnell und aus dem Ärger geboren." Ein Abgang Metzgers würde seiner Partei sehr schaden, glaubt Kretschmann.
Allerdings widerspricht Kretschmann dem zornigen Wirtschaftsgrünen in einem Punkt entschieden: "Von einem Linksruck kann wegen des Parteitags keine Rede sein." Grundeinkommen oder Grundsicherung seien "faszinierende Visionen", weder links noch rechts, mit so etwas dürften sich die Grünen zwischen den Wahlen durchaus beschäftigen.
Unbekannte Grünen-Frontlinien
Das Abstimmungsergebnis von Heilbronn ist wohl tatsächlich komplizierter, als es aussieht - und als Metzger es darstellt: Es war eben keine Abstimmungsniederlage der Realos gegen die Linken. Viele Linke, die am Ende für das Grundeinkommen stimmten, waren noch vor wenigen Wochen dagegen gewesen. Sie hätten aus taktischen Motiven "'rübergemacht", unterstellt ein baden-württembergischer Realo. Die Parteilinken hätten eben auch einmal eine Abstimmung gewinnen wollen.
Doch klar ist auch: Das Ergebnis verzerrt die Ausgangslage vor dem Nürnberger Bundesparteitag ganz erheblich - denn die eher linkslastigen Landesverbände aus Nordrhein-Westfalen und Berlin haben sich wiederum für die bedarfsabhängige Grundsicherung ausgesprochen. In Nürnberg wird die Frage der Zukunft der sozialen Sicherungssysteme also nicht entlang der weidlich bekannten Frontlinie zwischen Realos und Linken entschieden - sondern geht quer durch die alten Lager. Prognosen wagt daher kaum jemand, zumindest nicht öffentlich.
Oswald Metzger wird in Nürnberg mit dabei sein. Nicht als Delegierter. Als Gast.
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