Von Florian Gathmann
Naumann arbeitet intensiv daran, in Hamburg bekannter zu werden. Am Montag wird er das neue Buch von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann in Berlin vorstellen. "Der große Selbstbetrug" heißt das Werk, eine Abrechnung mit den 68ern soll es unter anderem sein. Naumann hat "Bild" 2004 in der "Zeit" einmal als das "Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien" bezeichnet. Beliebt macht man sich so eher nicht bei Deutschlands größter Boulevard-Zeitung. Es kann also nur besser werden nach dem Montag, auf den sich Autor Diekmann ausnehmend zu freuen scheint: "Wir teilen gern aus - oft auch in Richtung des jeweils anderen", ließ dieser über seinen Verlag mitteilen. Und: "Ich freue mich darauf, dass wir dies am Montag einmal gemeinsam zur gleichen Zeit am gleichen Ort tun können."
Grass will alle Generationen ansprechen
Günter Grass ist jedenfalls durchaus der Meinung, dass er mehr als ein hübscher Kulturschmuck für Naumann sein könnte. Nicht nur wegen der 1000 Hahnenköpfe als Poster und 150 Original-Lithographien als materielle Gaben. Nun, sagt er, und zieht an seiner Pfeife, dass die Rauchwölkchen eilig unter die Decke steigen, "ich glaube schon, dass ich ihm helfen kann". Wenn er Lesungen mache oder Vorträge halte, da seien immer drei Generationen im Publikum, "und die gibt es auch in Hamburg".
Naumann, der Kandidat des Feuilletons? Da lacht Grass: "Na, ich bin ja nicht gerade ein Freund des Feuilletons." Auch Naumann, der das Image des Kultur-Wahlkämpfers als ungerecht empfindet, kann da zumindest wieder leise lächeln.
"Hamburg war immer eine sozialdemokratische Stadt", sagt Grass. Und dass von Beust die Macht einzig und alleine mit den "Rechtsradikalen von der Schill-Partei" erlangt habe. Und nie habe die Hansestadt eine solche Kinderarmut erlebt. So sehr empören ihn diese Zustände, dass man den berühmten Schnurrbart bebend glaubt. Natürlich, die SPD habe unter Schröder nicht alles richtig gemacht, beispielsweise bei den Hartz-Reformen. "Aber Reformen bringen immer weitere Reformen nach sich, das ist Politik", sagt Grass. Er hat eine Menge Politik erlebt in seinen acht Lebensjahrzehnten.
Ein bisschen ist es wohl auch der ihm eigene Ehrgeiz, der Günter Grass treibt. Nicht, dass er den öffentlichen Auftritt nötig hätte, so viele Ehrungen wie den 80-Jährigen alleine zu seinem Geburtstag ereilten. An diesem Abend muss er auch schon bald wieder fort, weil die Freie Akademie der Künste in der Hansestadt eine Ausstellung Grass'scher Exponate mit ihm eröffnen möchte.
Nein, es geht um etwas anderes.
"Ich möchte zeigen, dass man mit 80 noch Wahlkampf führen kann", sagt Günter Grass, kurz bevor er sich erhebt.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH