SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrem bisherigen Lebensweg haben Sie Karriere und Familie scheinbar optimal vereinbart: Seit 22 Jahren verheiratet, zwei erwachsene Kinder, eigene Anwaltskanzlei - welche politischen Lehren haben Sie daraus gezogen?
Haderthauer: Es ist den Frauen nicht genetisch vorbestimmt, allein die Erzieherin ihrer Kinder zu sein. Männer können das genauso gut, auch wenn sie vieles ganz anders machen. Mein Mann und ich haben uns die Erziehungsarbeit geteilt. Durch die Kindererziehung habe ich beispielsweise gelernt, dass Liniehalten lohnt: Wer sein Kind liebt, der kauft ihm eben nicht die Gummibärchen an der Kasse im Supermarkt - auch wenn es dann mal eine Viertelstunde Gebrüll gibt.
SPIEGEL ONLINE: Und Sie denken jetzt an Gummibärchen und Ihre Kinder, wenn Sie Politik machen?
Haderthauer: Nein, aber Lebenserfahrung ist kein Nachteil: Sofortiges Nachgeben, um Ruhe zu haben - und gleichzeitig wissen, dass es sachlich falsch ist, dafür ist der SPD-Parteitag doch ein Paradebeispiel. Man muss es auch mal aushalten, im Regen zu stehen und Prügel zu bekommen. So etwas lernt man eben auch, wenn man Kinder hat. Und als Juristin habe ich gelernt, dass es oft eine Frage des überzeugenden und engagierten Auftretens ist, ob man gewinnt oder verliert. Ich glaube, es liegt mir, Menschen von einer Sache zu überzeugen.
SPIEGEL ONLINE: Warum ist eine der Lehren aus Ihrem modernen Lebensweg, daheimbleibenden Elternteilen per Betreuungsgeld eine Prämie von 150 Euro zu zahlen?
Haderthauer: Weil ich der Meinung bin, dass Familien die Aufteilung zwischen Kindererziehung und Beruf nach ihren persönlichen Vorstellungen gestalten sollen. Heute gibt es zu viele junge Paare, die eine Familie gründen wollen - dann aber davor zurückschrecken, weil sie daran zweifeln, allen Ansprüchen gerecht werden zu können. Das ist neu. Früher gehörten Kinder als Selbstverständlichkeit zum Leben. Da gab es diesen grundsätzlichen Lebensmut: Wir schaffen das schon! Heute überwiegt die Sorge und man fragt sich: Schaffen wir das?
SPIEGEL ONLINE: Aber da bringen doch 150 Euro nichts.
Haderthauer: Doch. Dann könnten Sie ja auch sagen, dass ein Eltern- oder Kindergeld nichts hilft. Es geht um die Wahlfreiheit, den Mix aus politischen Maßnahmen, der Eltern signalisiert: Wir geben euch keine Leitbilder vor. In Bayern wollen sich mehr als zwei Drittel der Eltern zu Hause Zeit für ihre kleinen Kinder nehmen. Wir wollen keine Politik machen, die die aushäusige Betreuung der unter Dreijährigen zum Leitbild erklärt.
SPIEGEL ONLINE: CSU-Kolleginnen werfen Ihnen beim Betreuungsgeld Opportunismus vor.
Haderthauer: Dieser Vorwurf geht zurück auf einen Zeitungsbericht, in dem ich auf kritische Stimmen aus der Bevölkerung aufs Betreuungsgeld verwiesen habe. Die wurden dann missverständlich wiedergegeben und mir zugeordnet. Das war aber gar nicht meine eigene Meinung. Ich habe mich in der CSU-Familienkommission und in der Grundsatzprogrammkommission immer für das Betreuungsgeld ausgesprochen. Ich habe das Betreuungsgeld sozusagen mitgeboren.
Das Interview führte Sebastian Fischer
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