Deshalb greift Alice Schwarzer mit Augsburg nur ein Beispiel von wohl zahlreichen heraus. Die von ihr beschriebene Rechtsprechung allerdings lässt meine Haare zu Berge stehen. Denn das Prostitutionsgesetz macht klare Angaben: Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere. Direktionsrechte des Bordellbetreibers über die Bestimmung von Arbeitsort und Arbeitszeit hinaus - ich sage nur "alle Wünsche der Freier erfüllen, sich permanent splitternackt aufhalten" sind nicht erlaubt. Haben die zuständigen Richtern und Richterinnen mal ins Gesetz geschaut?
Und was die Migrantinnen betrifft: Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Prostituierten ausländischer Herkunft ist, nicht 80 Prozent, wie Alice Schwarzer behauptet. Viele von ihnen dürften keinen legalen Aufenthaltstitel haben. Bei weitem nicht alle von ihnen kommen allerdings unfreiwillig.
EU-Bürgerinnen aus Osteuropa können sich in Deutschland heute als selbständige Prostituierte niederlassen. Ihre Arbeitsbedingungen sind jedoch manchmal alles andere als gut. Wenn sie die Sprache nicht beherrschen und abhängig von Zuhältern sind, die ihnen das Geld abnehmen, ist das nicht die Form der Prostitution, die das Gesetz im Sinn hat. Indem wir solche Verhältnisse aber wieder unsichtbar machen, werden wir sie nicht bekämpfen. Dann fahren deutsche Männer eben an die tschechische Grenze und beuten die Frauen dort aus - ist das die Lösung, die Alice Schwarzer im Sinn hat?
Alice Schwarzer will die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen
Die Studie zeigt: Das Gesetz hat bereits viel Gutes bewirkt. Wir können dort lesen, das Selbstbewusstsein vieler Prostituierter habe sich durch das Wissen, gegenüber einem Kunden nicht rechtlos zu sein, vergrößert. Schon der Hinweis auf die neue Rechtslage und die Androhung, von dem nun vorhandenen Recht auch Gebrauch zu machen, reiche oft aus, um einen Streit beizulegen. Eine Klage sei dann nicht mehr nötig.
Auch Alice Schwarzer hätte das im Internet nachlesen können. Dort hätte sie auch sehen können, dass es sehr wohl Prostituierte gab, die eine zivilrechtliche Klage angestrengt oder sich als Prostituierte bei der Krankenversicherung angemeldet haben. Ich glaube, Alice Schwarzer möchte diese Fakten aber gar nicht zur Kenntnis nehmen.
Jetzt sind die Bundesländer gefragt: Sie müssen endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben und die Möglichkeiten des Gesetzes nutzen. Oder zögern sie, weil zu viele Männer von der Situation profitierten? Die Freier, die Zuhälter, aber auch der Staat - sie alle können die Prostituierten viel besser ausbeuten, wenn wir den Status der Doppelmoral aufrechterhalten und sich niemand für ihre Rechte interessiert. Und was Alice Schwarzer fordert: Die Strafbarkeit der Förderung der Prostitution wiederherzustellen, bedeutet faktisch, dass sich Bordellbetreiber strafbar machen, die für gute hygienische Verhältnisse sorgen oder Kondome auslegen.
Ich kann nicht verstehen, welchen Vorteil eine Feministin wie Alice Schwarzer in dieser Situation sieht.
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