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21.11.2007
 

Im Wortlaut

Paulis Austrittsbrief

Per Brief teilte die Fürther Landrätin Gabriele Pauli ihrem Parteichef Erwin Huber den Austritt aus der Partei mit. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Wortlaut des Schreibens, das die Zeitschrift "Vanitiy Fair" veröffentlichte.

"Sehr geehrter Herr Vorsitzender, lieber Erwin Huber,

die CSU ist seit 30 Jahren meine politische Heimat. Sie ist eine Volkspartei und sollte daher, um ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden, offen für ein breites Spektrum an politischen Positionen sein. Gerade diese Offenheit ist Garant für eine am Bürger orientierte Politik, die die Wünsche der Menschen versteht und ernst nimmt. (...)

Für mich bedeutet politisches Engagement, mich für Bürger so einzusetzen, dass sie sich ehrlich vertreten fühlen. Wer sich für andere einsetzt, sollte das unabhängig vom eigenen Ansehen und Status tun. Nur so ist Politik glaubhaft. Viele Politiker in unserer Partei haben dieses Ziel aus den Augen verloren, versuchen, ihre persönliche Stellung zu wahren, und ordnen die offene Diskussion dem eigenen Machtstreben unter.

Ich habe im Parteivorstand immer wieder erlebt, wie einzelne, auch Minister, entgegen ihrer Überzeugung reden und handeln, weil sie sich dadurch die Festigung ihrer eigenen Position erhoffen. Geschlossenheit und Solidarität müssen jedoch nicht durch Abhängigkeit und Angst herbeigeführt werden, sondern ergeben sich durch Überzeugungskraft der Ideen. Die CSU hätte es nicht nötig, ihre Parteitage zu inszenieren, wenn die Kraft der Argumente überzeugt. Dann ist Geschlossenheit die Folge der eigenen Überzeugungen.

Ich möchte meine Ideen, die christlich und sozial sind, nicht daran orientieren, ob ich ein Amt erreiche oder nicht. Diese Haltung, die von vielen Bürgern verstanden wird und die eigentlich alle politisch Tätigen als Leitidee haben sollten, wollte ich durch meine Kandidatur deutlich machen. Die Politik muss wieder zurück zu den Wurzeln kommen. (...)

Um Neuem Raum zu geben, muss man Altes loslassen. Ich trete deshalb mit sofortiger Wirkung aus der CSU aus. Das ist der Beginn eines neuen politischen Weges. Ich danke allen, die mich politisch unterstützt und freundschaftlich begleitet haben. Echte Freundschaften überdauern auch eine Parteimitgliedschaft, darauf freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gabriele M. Pauli"

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