Berlin - Die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung in Charlottenburg-Wilmersdorf will noch einmal genau darüber nachdenken, ob Alice Schwarzer Namensgeberin für eine Bibliothek in dem Bezirk werden darf. "Wir haben neu über die Frage diskutiert, ob eine Bibliothek nach einer lebenden Person benannt werden sollte", so SPD-Bezirksstadtrat Marc Schulte.
Grund für die Diskussion sei unter anderem das Gespräch gewesen, dass die Feministin Ende Oktober mit SPIEGEL ONLINE über Prostitution führte, sagt Schulte. "Dort werden Positionen laut, die die SPD nicht teilt."
Schwarzer kritisierte in dem Interview, dass das rot-grüne Prostitutionsgesetz die Situation für Prostituierte verschlechtert habe. Zwang und Gewalt seien mehr geworden, so Schwarzer. Dass sich Frauen freiwillig prostituierten, bezeichnete die Herausgeberin der "Emma" als Mythos.
Die CDU reagierte scharf auf den Rückzug der Sozialdemokraten: "SPD straft Alice Schwarzer ab! Für Bordelle, gegen Meinungsfreiheit", heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Konservativen verteidigen die Feministin entschieden: Die CDU-Fraktion erwarte von der SPD, dass sie ihre intolerante Haltung aufgebe und weiterhin die Namensgebung nach Alice Schwarzer unterstütze, heißt es in der Erklärung. "Das Lebenswerk wie das publizistische Werk von Frau Schwarzer sprechen dafür, sie als Namensgeberin für eine Bibliothek zu ehren."
anr
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