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07.12.2007
 

Scientology-Verbotsdiskussion

"Die wollen den Willen der Menschen brechen"

Bund und Länder wollen verstärkt gegen Scientology vorgehen. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) erklärt gegenüber SPIEGEL ONLINE, warum er ein Verbotsverfahren für wenig erfolgsversprechend hält - und kritisiert den Rummel um den Scientologen Tom Cruise.

SPIEGEL ONLINE: Scientology ist unvereinbar mit dem Grundgesetz – darin sind sich die Innenminister der Länder einig. Auf welche Schritte hat man sich darüber hinaus geeinigt?

Schleswig-Holsteins SPD-Innenminister Stegner: "Es gibt eben auch große Skepsis gegenüber einem solchen Verbotsverfahren"
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DPA

Schleswig-Holsteins SPD-Innenminister Stegner: "Es gibt eben auch große Skepsis gegenüber einem solchen Verbotsverfahren"

Ralf Stegner: Wir haben vereinbart, dass nun Möglichkeiten eines Verbots geprüft werden. Für ein Vereins-Verbotsverfahren ist allerdings der Bund zuständig.

SPIEGEL ONLINE: War Herr Schäuble begeistert?

Stegner: Der Bundesinnenminister war da eher zurückhaltend…

SPIEGEL ONLINE: …das heißt, im Grund genommen wird bis auf weiteres gar nichts passieren?

Stegner: Es gibt eben auch große Skepsis gegenüber einem solchen Verbotsverfahren. Ich denke, man muss deshalb im Kampf gegen Scientology alle Möglichkeiten nutzen – und da sehe ich an erster Stelle die Aufklärung: Dass man den Menschen klarmacht, was diese Organisation tut und was sie will. Es ist wichtig, dass niemand überhaupt erst in Gefahr gerät. Klar ist aus meiner Sicht, dass die mit kriminellen Methoden arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Skepsis warum?

Stegner: Weil das rechtlich eben sehr kompliziert ist. Und wir sind uns in den Ländern eben auch in der Vorgehensweise gegen Scientology nicht einig – obwohl wir die Organisation alle für verfassungsfeindlich halten. Wir setzen beispielsweise den Verfassungsschutz nicht ein. Im Übrigen gibt es über Scientology schon genügend Informationen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie die Chancen eines Verbotsverfahrens?

Stegner: Vorsichtig ausgedrückt: Ich halte das für schwierig, angesichts der vielen Hürden. Deshalb müssen wir, wie gesagt, andere Möglichkeiten nutzen. Was uns übrigens überhaupt nichts nützt, ist die fragwürdige Verehrung für Prominente aus dem Scientology-Umfeld – damit meine ich insbesondere das Theater um Tom Cruise…

SPIEGEL ONLINE: …der gerade einen Bambi-Preis verliehen bekam.

Stegner: Genau diese Art der Bühne meine ich. Auch wenn Herr Cruise den Preis vom Burda-Verlag wohl für seine schauspielerischen Leistungen bekommen hat – das ist gesellschaftlich kein gutes Signal.

SPIEGEL ONLINE: In Amerika - dem Heimatland von Cruise - ist Scientology eine Religionsgemeinschaft neben vielen anderen. Ist man in Deutschland intolerant?

Stegner: Nein, das muss mit der unterschiedlichen Kultur zusammenhängen. Scientology arbeitet mit massiven Repressionen, wie eine totalitäre Organisation - die wollen den Willen der Menschen brechen. Deshalb müssen wir sie bekämpfen.

Das Interview führte Florian Gathmann

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