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14.12.2007
 

Türkische Männergruppe

"Liebe, was ist das überhaupt?"

Von Anna Reimann

Für Frauen gibt es Beratungsstellen - türkische Männer können oft nur in Teestuben über Probleme diskutieren. In Berlin-Neukölln bietet ein Psychologe Hilfe: In der Männergruppe geht es um Liebe, Sex, Kindererziehung - und Gabriele Pauli.

Berlin - Ali kommt, dann Mohammed, schließlich schiebt sich Hasan durch die Tür. Hinten an der Wand sitzt schon Yetis. Neue Stühle müssen geholt werden. In der Ecke köchelt Çay-Tee, Kekse stehen auf dem Tisch. An der Wand hängt ein Plakat mit der Aufschrift "Nein zur Gewalt", Jugendliche posieren darauf. Daneben ein Schild: "Liebe mich, wenn ich's am wenigstens verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten."

Es ist Männerabend in Berlin-Neukölln. Dursun, ein älterer Mann mit grauen Haaren, Gastarbeiter der ersten Generation, sitzt in einer Runde mit Männern wie Hasan, jung, Gel in den Haaren.

Einmal in der Woche lädt Kazim Erdogan, Berater des psychosozialen Dienstes, türkische Männer zur Gesprächsrunde in sein Büro. "Ich mache das seit einem Jahr und wir sind immer voll", sagt Erdogan. Denn viele könnten sonst nur in Teestuben reden. Oder gar nicht.

"Männer haben geweint wie kleine Kinder"

"Hier sprechen sie plötzlich über alles, über Sex, über Zärtlichkeit, über Kindererziehung, über Gewalt in der Ehe." Am Anfang sei er verblüfft gewesen über so viel Offenheit, sagt Erdogan. Bei den Gesprächen komme oft Überraschendes heraus: 95 Prozent aller Gewalt gehe von Männern aus, aber es gebe eben auch den umgekehrten Fall. "Hier bei mir haben Männer gesessen und geweint wie kleine Kinder, weil sie von ihren Frauen körperlich malträtiert wurden. Wissen Sie, was es heißt, wenn ein türkischer Mann weint?"

Erdogan spricht von Männern wie Osman*. Ein kleiner, schmächtiger Mann, er gestikuliert wild, seine Stimme klingt verzweifelt: Es werde immer nur über Frauen als Opfer berichtet, klagt er. Er selbst aber sei über Jahre hinweg von seiner Frau geschlagen worden. Sie habe ihn aus der Türkei nach Deutschland geholt, als Importbräutigam quasi. Solche Importpartner würden oft wie materielles Gut behandelt. "Bei mir war es im Grunde so, dass ich die Frau war und sie der Mann." 16 Jahre habe er die Schläge seiner körperlich übermächtigen Frau ausgehalten. "Dann bin ich gegangen."

Osman ist eine Ausnahme, weil er von seiner Frau verprügelt wurde. Aber alle Männer, die an diesem Abend hier sind, haben Probleme. Sechs der 15 haben sich scheiden lassen, "und bei allen anderen", sagt Leiter Erdogan, "steht die Ehe auf sehr wackligen Füßen."

"Wir haben die Achtung voreinander verloren"

Da ist Ali, dem seine Frau vorgeworfen hat, sie nur geschwängert zu haben, weil er in Deutschland bleiben wollte. Da ist Mohammed, der von seiner krankhaft eifersüchtigen Frau berichtet. "Ich wollte mich wegen dieser Probleme schon umbringen", sagt er.

Er habe das Gefühl, dass die Ehen heute zu schnell zu Ende gingen, oder wie könne es sein, dass diese Ministerin - er meint Gabriele Pauli - vorgeschlagen hat, die Ehe auf sieben Jahre zu befristen?, fragt einer der Männer, grauer Pulli, müde Augen. "Unsere Omis und Opis haben 40 oder 60 Jahre zusammengelebt, obwohl sie nur eine Kartoffel am Tag hatten. Und heute hat man alles und trennt sich. Wieso ist das so?"

Die anderen Männer blicken nachdenklich vor sich hin. Eine kurze Pause, bis sich Hasan, breite Schultern, grüne Sweatshirtjacke, meldet: "Ich glaube, dass es daran liegt, dass wir die Achtung voreinander verloren haben." Und daran, dass Frau und Mann sich oft nicht kennen, bevor sie heiraten. Häufig seien auch die Eltern Schuld, sie seien ungebildet, würden ihren Kindern nichts mitgeben. "Bei den Eltern gibt es keine Liebe, viele Eltern nehmen sich keine Zeit, um sich um ihre Kinder zu kümmern", sagt Hasan. Wie sollten Jugendliche da lernen, was Partnerschaft heißt?

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