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13.12.2007
 

Kampagne "Leben braucht Gewicht"

Prominente gegen Magerwahn

Von Katrin Riegger

Jedes fünfte Kind zeigt Symptome einer Essstörung ? das Frauenquartett Schwarzer, von der Leyen, Schmidt und Schavan will dagegen ankämpfen und startet die Kampagne "Leben braucht Gewicht". Erstes Ziel: Keine Magermodels mehr in der Werbung und auf Laufstegen.

Berlin - Die Weihnachtszeit heißt für viele Plätzchen, Printen, Pfefferkuchen. Für Magersüchtige aber bedeutet sie Kalorienzählen und Stress. Magersucht sei keine danebengegangene Mode, sagt Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Die Essstörung sei eine "lebensbedrohliche Massenpsychose".

Bildungsministerin Schavan (links), Emma-Herausgeberin Schwarzer, Gesundheitsministerin Schmidt Familienministerin von der Leyen, (rechts): "Leben braucht Gewicht"
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DPA

Bildungsministerin Schavan (links), Emma-Herausgeberin Schwarzer, Gesundheitsministerin Schmidt Familienministerin von der Leyen, (rechts): "Leben braucht Gewicht"

Die Noch-Emma-Herausgeberin steht im Bundesgesundheitsministerium, für ihre Kampagne gegen den Magerwahn hat sie prominente Unterstützerinnen gesucht und gefunden: Zusammen mit Hausherrin Ulla Schmidt (SPD), Familienminister Ursula von der Leyen und Forschungsministerin Annette Schavan (beide CDU) gab sie am Donnerstag in Berlin den Startschuss für die Kampagne "Leben braucht Gewicht ? gemeinsam gegen den Schlankheitswahn".

Das Quartett erhält zudem Rückendeckung von zahlreichen prominenten Frauen: Darunter Jette Joop, die sich für ein "gesundes Schönheitsideal" ausspricht. Fußball-Weltmeisterin Anja Mittag wirbt für gesunde Ernährung. TV-Moderatorin Gundis Zámbó hat ein Buch über ihre eigene Magersucht geschrieben und setzt sich nun für mehr Informationen und Aufklärung ein.

Welche Gefahr Essstörungen darstellen, davon überzeugen die aktuellen Zahlen des "Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey" (KIGGS): Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland zwischen 11 und 17 Jahren leidet danach unter den Symptomen einer Essstörung ? das sind 1,4 Millionen junge Menschen. Neben Magersucht und Bulimie gehören zu Essstörungen als Krankheitsbild auch Fressanfälle und Adipositas, die sogenannte Fettsucht. 56 Prozent der 13- bis 14-jährigen wollen nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dünner sein. 63 Prozent sagen, dass sie gerne besser aussehen würden.

"Magersucht ist weiblich und jung"

"Magersucht ist überwiegend weiblich und sehr jung", so Ministerin von der Leyen: Neun von zehn Magersüchtigen seinen Frauen. Jede zehnte Betroffene sterbe an den Folgen der Krankheit. Damit sei sie von den psychischen Erkrankungen die mit der höchsten Todesrate. Die Ursachen des Magerwahns sehen die Ministerinnen in falschen Vorbildern. Die "Barbie-Matrix" müsse durchbrochen werden oder dürfe erst gar nicht entstehen, so Schavan.

Prävention im Kindesalter ist für von der Leyen der erste Schritt. "Starke Kinder in starken Familien", keine Reduktion auf den Körper plus Lust am Sport ist ihr Konzept. Zudem müsse intensiver gegen Internet-Foren vorgegangen werden, in denen sich Betroffene in ihrer Sucht bestärken.

Zum Auftakt der Kampagne präsentierten die Ministerinnen eine lange Liste mit Studien und Aufklärungsmaterial aus ihren Häusern. Wohin die Kampagne gehen soll, wurde indes nicht so recht deutlich. Ein erstes Ziel sei es, sagt Gesundheitsministerin Schmidt, dass sich Werbe- und Modebranche freiwillig auf einen Kodex einigten. Es sollten keine Magermodels mehr auf Laufstegen und Plakaten.

Designerin Jette Joop brachte das Problem der Branche auf folgende Formel: An einem extremen Körper sehe ein Kleid schöner aus. Besser aber wären "gute Kleider" über einem normal gebauten Körper.

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