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19.12.2007
 

Terrorismus

Klar nennt Gespräch mit Köhler "Inszenierung"

Neue Details über das Gespräch zwischen Christian Klar und Horst Köhler: Der inhaftierte Ex-Terrorist erklärt, er habe sich bei dem Treffen geweigert, über die Morde der RAF "als Kriminalfall" zu sprechen. Köhler lehnte danach ein Gnadengesuch Klars ab.

Hamburg - Klar sagte der Wochenzeitung "Freitag", Köhlers Gesprächsangebot habe zu einer "Inszenierung" gehört, die eine von ihm befürwortete "politische Interpretation der RAF-Geschichte" verhindern sollte. Köhler hatte auf ein Gnadengesuch Klars ein Gespräch mit dem früheren RAF-Mitglied geführt, ihm jedoch im vergangenen Mai die Begnadigung verweigert.

Klar: "Politische Interpretation der RAF-Geschichte"
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DPA

Klar: "Politische Interpretation der RAF-Geschichte"

Eine Entschuldigung wollte der seit 25 Jahren inhaftierte Klar den Angehörigen der RAF-Opfer in dem Interview erneut nicht aussprechen. Er sagte lediglich: "Dass auch Personen, die angegriffen wurden, dieses menschliche Umfeld haben, das ist selbstverständlich. Und dass da eine berechtigte menschliche Klage ist, das muss ich mir gefallen lassen (...)." Klar kündigte an, nach seiner Haftentlassung "ein legales Leben" führen zu wollen.

Der heute 55-Jährige war 1982 festgenommen und wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs in zwei Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er war an zahlreichen RAF-Verbrechen beteiligt.

Mit seiner jüngsten Äußerung verfolgt Klar weiterhin die Linie, die Verbrechen der RAF als politisch legitimen Kampf darzustellen. Zuletzt hatte der frühere RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner Empörung ausgelöst, als er sich anlässlich des 30. Jahrestages der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer im Oktober ähnlich äußerte.

"Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig", sagte Wagner zur Entführung Schleyers vor 30 Jahren. Wagner war 1985 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen der Ermordung Schleyers am 18. Oktober 1977. Im Dezember 2003 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau begnadigt. Er war der letzte Ex-RAF-Terrorist, dessen Gnadengesuch angenommen wurde.

Die Äußerungen Wagners riefen damals einige Politiker auf den Plan: Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sprach von einem "Faustschlag ins Gesicht der Opferfamilien". Der hessische Ministerpräsident Roland Koch nannte es ungeheuerlich, dass Wagner seinen "schrecklichen Irrweg" immer noch nicht eingesehen habe.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) bezeichnete Rolf Clemens Wagner als "gnadenunwürdig" und warnte vor weiteren Begnadigungen inhaftierter RAF-Mitglieder. Hessens CDU-Fraktionschef Christian Wagner betonte, die "immer noch stattfindende Rechtfertigung der eigenen Schuld ist unerträglich und rechtfertigt keine Gnade des Staates".

Schleyers Leiche war am Abend des 19. Oktober 1977 im französischen Mühlhausen im Kofferraum eines grünen Audi gefunden worden. Mit der Entführung Schleyers und der späteren Kaperung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch ein palästinensisches Kommando hatten die Terroristen vergeblich versucht, inhaftierte RAF-Mitglieder freizupressen.

asc/dpa/AP/AFP/ddp

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