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Hamburgs SPD-Mann Naumann Der All-Inclusive-Kandidat

2. Teil: Naumann will immer gewinnen - und alles gleichzeitig sein

Wie Naumann das Gewinnen gelernt hat, passt nicht ins Bild - beim Sport. Er spielte Wettkampf-Tischtennis und Basketball in der Oberliga, in Amerika lief er die Meile. Und: Naumann ist mehr Kämpfer, als man ihm zutraut. Wie sein politischer Förderer Schröder hat er sich emporgearbeitet. Mit einem entscheidenden Unterschied - der Altkanzler ist der Sohn einer Putzfrau, Naumann hat einen großbürgerlichen Hintergrund. Seine Familie besaß im anhaltinischen Köthen eine Fabrik. Doch 1953 musste die Mutter mit ihren Kindern - ihr Mann, ein Anwalt, war vor Stalingrad gefallen - wegen US-Kontakten in den Westen flüchten. Da war Michael Naumann elf. Seine Jugend erlebte er in ärmlichen Kölner Verhältnissen, das Studium finanzierte ihm die SPD-nahe Ebert-Stiftung.

Im kleinen Saal des Hamburger Kongresszentrums stehen sie nebeneinander: Schröder, das Schlachtross - Naumann, der Spitzenkandidat. Wie wenig er von einem echten Politiker hat, kann man an diesem Abend beobachten: Schröder spielt mit dem Publikum, Naumann liest seinen Text brav ab. Der Altkanzler vertrimmt den politischen Gegner, das Poltern seines Schützlings wirkt bemüht.

Naumann weiß das. So eine Menschenmasse "macht einen verlegen", sagt er, das sei schon "ein bisschen einschüchternd". Aber es scheint ihm nicht zu schaden. In einer vom SPIEGEL in Auftrag gegebenen Umfrage lag Naumann beim Sympathiewert schon im Dezember mit 45 zu 32 Punkten deutlich vor Bürgermeister von Beust. Sein monatelanges "Tingeln" (O-Ton Naumann) durch Hamburgs Stadtteile, im roten Wahlkampf-Golf, scheint sich auszuzahlen.

Der SPD-Spitzenkandidat klingt mitunter wie Lafontaine

Andererseits - von Beust hat es sich wohl auch mit vielen verscherzt: vor allem, weil er sich gleich zweimal über einen Bürgerentscheid hinwegsetzte. Und, das jedenfalls ist Naumanns Überzeugung, weil der CDU-Mann die Stadt gespalten hat. In ein reiches und ein armes Hamburg. Naumann berichtet von "Suppenküchen wie in der Weimarer Republik", erzählt von "Kindergärten mit Nato-Stacheldraht". Wenn man Naumann in diesen Tagen hört, wie er beispielsweise um die DGB-Senioren in der Hamburger Gewerkschaftszentrale wirbt, dann klingt das mitunter nach Lafontaine und Gysi. Allerdings hat Naumann dafür sogar die Unterstützung des Mannes, der Hartz IV und andere soziale Härten über Deutschland brachte. "Ich wäre der letzte, der da irgendwelche Einwände formulieren würde", sagte Schröder beim gemeinsamen Auftritt. Bestätigt fühlt sich Naumann auch durch den Erfolg der linken SPD-Frau Ypsilanti in Hessen.

Gegen die Altersarmut will er etwas tun und für höhere Löhne. Die Studiengebühren sollen genauso abgeschafft werden wie die Hauptschulen. Am liebsten würde Naumann sogar den Ausbau der U-Bahn stoppen - schließlich werden seine Wahlversprechen nicht billig. Er wolle jedenfalls Schluss machen mit der finanzpolitischen "Hütchenspielerei" des Senats. "Richtig", ruft da ein DGB-Mann, dass an den Holztischen einige in die Jahre gekommenen Kollegen aufschrecken, und "Sauerei".

Der Kandidat möchte, dass ihn die Wähler als Macher wahrnehmen. Nein, er könne nicht Klavierspielen, sagt Naumann. Kein einziges Instrument. Aber er hat mehrere Unternehmen geleitet. Etwa den Rowohlt-Verlag, der unter Naumanns Führung seinen Umsatz verdoppelte: "Welche Erfahrungen hat Ole von Beust auf diesem Gebiet?".

Am liebsten wäre Michael Naumann alles in einem: Schöngeist, Manager, Sozialdemokrat. So viele verschiedene Eigenschaften zusammenzubringen, das hat nicht einmal Willy Brandt geschafft.

"Diese ewigen Stereotypen", sagt Naumann, das nerve ihn. Weil sie einen Menschen durch seine Vergangenheit definieren. Hamburg brauche aber einen Bürgermeister, glaubt er, der nach vorne schaut. Um dann den Blick in die Vergangenheit zu wenden - und wieder eine seiner Anekdoten zum Besten zu geben: Als Junge habe er im Sommer auf dem Land geholfen, bei einem Bauern in der Nähe von Homburg. Der brachte ihm das Pflügen bei.

Oberste Regel: "Nie nach hinten schauen."

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