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Wahlerfolg der Linken Am liebsten eine Swimming-Pool-Steuer

2. Teil: "Anarchisten, Altkommunisten und Chaoten"

Die Realpolitik richtet sich vor allem gegen Besserverdienende: "Ich will die Reichen schröpfen", bekennt Sohn, der bisher als Personalrat bei einem Versicherungskonzern beschäftigt ist. Als Finanzexperte der neuen Fraktion will er Einzelhandelsketten mit einer Filialsteuer belegen, um kleine Läden zu retten. Am liebsten, heißt es, wäre Sohn eine Swimming-Pool-Steuer.

Ebenfalls eine kommunistische Vergangenheit hat Hans-Henning Adler, 57. Der Rechtsanwalt aus Oldenburg brüstet sich in seinem Lebenslauf mit einer Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs, die er sich Ende der sechziger Jahre bei einem Schulstreik gegen die Notstandsgesetze einhandelte. Nach eigenen Angaben trat Adler 1989 aus der DKP aus, weil er erkannt habe, "dass sich die Partei von innen nicht demokratisch erneuern ließ".

"Wir haben links von uns keinen Platz gelassen"

Aber auch ein aktuelles DKP-Mitglied kommt über die linke Landesliste ins Parlament. Auf ihrer Internet-Seite feiern die Kommunisten den Einzug der "Genossin der DKP", Christel Wegner, 60. "Wir haben links von uns keinen Platz gelassen", jubelte Bundeswahlkampfleiter Ramelow am Wahlabend.

Kommunistische Vergangenheiten haben auch einige der künftigen hessischen Linke-Abgeordneten. "Die Parteiführung ist verlogen, undemokratisch und totalitär", dröhnte es kurz vor den Wahlen aus den eigenen Reihen. Karl-Klaus Sieloff, Spitzenkandidat aus dem Lahn-Dill-Kreis, hatte zum Boykott der eigenen Partei aufgerufen, die vor allem aus "Sektierern" und "Altkommunisten" bestünde. Selbst für die kampferprobte Linke war das starker Tobak.

Das Personal der selbsternannten "Anarchisten, Altkommunisten und Chaoten", auch dies Zitate aus dem Mund des Parteikollegen Sieloff, ist dabei nur wenig parlamentserprobt.

Ihr Anführer, Spitzenkandidat Willi van Ooyen, ist parteilos. Er wäre wohl auch nicht Spitzenkandidat in Hessen geworden, wenn nicht der Wunschkandidat der Landesführung und ehemalige Gewerkschaftsfunktionär Dieter Hooge bei der Basis durchgefallen wäre.

Van Ooyen, Spitzenkandidat aus Versehen

Diese wollte aber auch nicht van Ooyen, sondern wählten lieber Peter Metz als Spitzenkandidaten - seines Zeichens langjähriges Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Dass auch Metz, nach eigener Aussage "in seinem Ideal nach wie vor Kommunist", nicht als Spitzenkandidat in die Wahlen zog, ist einer Unachtsamkeit zu verdanken: Der deutsche Afghanistan-Einsatz sei mit dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze zu vergleichen, verkündete Metz nach seiner Wahl. Eine steile These - und das vorläufige Ende seiner politischen Träume.

Schließlich folgte van Ooyen. Er hat einige linke Stationen in seinem Lebenslauf: Verdi, Weltsozialforum, dazu führt er noch eine Frankfurter Behinderteneinrichtung. Seine parteipolitische Erfahrung beschränkt sich allerdings auf ein zweifelhaftes Engagement: Zunächst in Hessen, dann auf Bundesebene leitete der 60-Jährige die Geschäfte der Deutschen Friedensunion. Die politische Vereinigung steht nicht nur der kommunistischen DKP nah. Sie wurde in den frühen achtziger Jahren offenbar auch von den Kampfgenossen aus der DDR mitfinanziert.

Sein Ziel nach dem Wahlerfolg in Hessen hat van Ooyen bereits formuliert: "Roland Koch abwählen - das liegt jetzt allein an der SPD", sagte van Ooyen heute. Die Linke sei bereit, die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin zu wählen.

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