Berlin - Deutschland wird erstmals einen Kampfverband nach Afghanistan schicken. Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte heute in Berlin an, dass Deutschland der Bitte der Nato entsprechen und im Sommer eine sogenannte Schnelle Eingreiftruppe in Nordafghanistan stationieren werde. "Wir sind nach entsprechendem militärischen Ratschlag der Auffassung, dass wir dort keine militärische Lücke entstehen lassen dürfen", sagte der CDU-Politiker auf einer Pressekonferenz.
Nach Angaben aus Nato-Kreisen in Brüssel dürfte Deutschland 240 bis 250 Soldaten schicken. Bislang stellt Norwegen mit rund 350 Soldaten die Schnelle Eingreiftruppe. Laut Nato-Diplomaten kann Deutschland aber auf die rund 100 Logistiker verzichten, die zu dem norwegischen Kontingent gehören. Mit dem Regionalkommando in Masar-i-Sharif hat die Bundeswehr bereits eine umfassende Logistik.
Die Bundeswehr ist bislang in ihrem Zuständigkeitsbereich im Norden Afghanistans auf die militärische Absicherung des Wiederaufbaus beschränkt. Rund 3300 deutsche Soldaten beteiligen sich an der Isaf-Mission. Deutschland ist damit der drittgrößte Truppensteller. Der Auftrag für die schnelle Eingreiftruppe im Norden ist nach Auffassung von Juristen des Verteidigungsministeriums vom Bundestagsmandat gedeckt. Das Parlament muss also nicht noch einmal darüber abstimmen.
Vor allem die USA, aber auch andere Nato-Staaten dringen darauf, dass deutsche Soldaten auch im unruhigeren Süden Afghanistans zum Einsatz kommen. Diesen Forderungen erteilte Jung erneut eine Absage.
amz/AFP
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