Berlin - Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, übt deutliche Kritik an der deutschen Politik: "Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat mit seinem Auftritt in ein Vakuum getroffen, das durch die verfehlte Integrationspolitik in Deutschland entstanden ist", so Mazyek zu SPIEGEL ONLINE.
Mit seiner Rede in der Köln-Arena vor Zehntausenden Türken habe der türkische Ministerpräsident einen Nerv getroffen. Erdogan hatte unter anderem Assimilierung ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" genannt.
Viele türkische Migranten in Deutschland hätten das Gefühl, dass von ihnen erwartet werde, ihre kulturelle Identität aufzugeben, sagt Mazyek. Es fehle in Deutschland eine Kultur der Anerkennung. Er hätte sich etwa gewünscht, dass die Bundeskanzlerin in Ludwigshafen persönlich kondoliert hätte.
Alle deutschen Politiker, die jetzt Erdogans Auftritt kritisierten, müssten erkennen, dass sie selbst eine Verantwortung für die Stimmung unter den Deutsch-Türken hätten. Durch die ständige Bekrittelung und das Kleinreden der türkischen und muslimischen Verbände in Deutschland, sei der Eindruck entstanden, dass es manchen Politikern nicht darum gehe, konstruktiv miteinander zu reden. "Erdogans Auftritt ist eine Ohrfeige für die gesamte deutsche Politik", so der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime.
Die deutsche Politik müsse die Stimmung unter den Türken in Deutschland ernst nehmen und sich jetzt fragen, wie Vertrauen zurückgewonnen werden könne.
anr
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