Berlin - Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) gab seine Entscheidung am Vormittag nach wochenlanger Prüfung bekannt. Unter anderem seien Provisionen an Spendenwerber verschwiegen worden. So habe Unicef von 2004 bis 2007 drei professionelle Spendenwerber erfolgsabhängig bezahlt, Nachfragen aber stets verneint.
"Mit den unzutreffenden Angaben hat Unicef gegen die in der Spendensiegel-Kriterien verankerte Darlegungspflicht verstoßen", hieß es in der Mitteilung des DZI. Die Management-, Leitungs-, und Aufsichtsstrukturen von Unicef müssten durchgreifend verbessert werden, damit sich derartige Fehler nicht wiederholten.
Das Spendensiegel steht für die nachgeprüfte sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spendengelder und damit für die Seriosität und Transparenz der geprüften Organisation. Nach dem Entzug des Spendensiegels kann nach Ablauf eines vollständigen Geschäftsjahres das Siegel erneut beantragt werden.
Die deutsche Sektion des Uno-Kinderhilfswerks steht seit Wochen in der Kritik. Der Organisation war öffentlich vorgeworfen worden, mit den anvertrauten Spendengeldern nicht in jedem Fall ordnungsgemäß umgegangen zu sein. Zunächst war die Vorsitzende Heide Simonis zurückgetreten, dann der langjährige Geschäftsführer Dietrich Garlichs zurückgetreten.
Mit der Krise muss jetzt Reinhart Schlagintweit umgehen, der die Organisation vorübergehend bis zu Neuwahlen des Vorstandes am 10. April führt. Er hatte zuletzt die Anregungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angenommen, die zahlreiche Verbesserungen vorgeschlagen hatte.
als/AP/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH