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22.02.2008
 

Hamburg-Wahlkampf

Voscherau wirft Beck rücksichtslose Kampagne vor

Von Florian Gathmann

Der Ärger in der SPD wächst: Auch Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Voscherau kritisiert nun die rot-rot-grünen Planspiele von Parteichef Beck. Für die Hamburger Sozialdemokraten sei "diese Debatte extrem rücksichtslos", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Hamburg - Die Kritik kommt von einer hanseatischen SPD-Eminenz: Henning Voscherau, langjähriger sozialdemokratischer Bürgermeister in Hamburg, ist sauer über die Parteiführung. Zu SPIEGEL ONLINE sagte Voscherau bezüglich der von SPD-Chef Kurt Beck angefachten Debatte über eine Annäherung der Sozialdemokraten an die Linke in Hesse: "Diese Debatte ist gegenüber der Hamburger SPD extrem rücksichtslos." Voscherau fügte hinzu: "Ich weiß auch nicht, wie es dazu kommen konnte."

SPD-Politiker Voscherau: "Ich weiß auch nicht, wie es dazu kommen konnte"
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DPA

SPD-Politiker Voscherau: "Ich weiß auch nicht, wie es dazu kommen konnte"

Am Sonntag wird in Hamburg eine neue Bürgerschaft gewählt. Umfragen zufolge kann CDU-Bürgermeister Ole von Beust weder alleine noch mit der FDP weiterregieren. Allerdings scheint es auch keine Mehrheit für die von SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann präferierte Koalition mit den Grünen zu geben. Voscherau hat Naumann im Wahlkampf mehrfach öffentlich unterstützt.

Allerdings glaube er nach wie vor nicht an eine wie auch immer geartete aktive oder passive Zusammenarbeit von SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti mit der Linken in Hessen, sagte Voscherau. "Dann würde Frau Ypsilanti ihre Glaubwürdigkeit ruinieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das will." Er glaube an hessische Neuwahlen im Herbst, sagte der ehemalige Hamburger Bürgermeister.

Über Becks Schwenk und die Möglichkeit einer passiven Zusammenarbeit mit der Linken in Hessen wird in der SPD immer heftiger diskutiert: Wie die FAZ online berichtet, seien Hinweisen zufolge die stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Andrea Nahles und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck sowie die weiteren Führungspolitiker der Fraktion über die Äußerungen Becks überrascht, erstaunt und entsetzt. Es hieß, Telefonate hätten die allgemeine Unsicherheit nicht beseitigt. Fraktionschef Struck erhob wie die rechten "Seeheimer" und "Netzwerker" in der SPD umgehend Widerspruch gegen den Schwenk.

Partei-Vize Steinbrück sagte in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner", es gelte, was Beck und Ypsilanti vor der Landtagswahl gesagt hätten. "Das war sehr eindeutig und gar nicht interpretationsfähig, und es bedeutet, dass es keine aktive Zusammenarbeit und keine Duldung jedweder Art gibt. Alles andere würde die Glaubwürdigkeit der SPD massiv beeinträchtigen." Ähnlich äußerte er sich in der "Süddeutschen Zeitung".

Glücklich ist man dagegen bei der Linken über die Signale von Beck. Die Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bund und in Hessen, Gregor Gysi und Willi van Oyen, versicherten in der "Frankfurter Rundschau", dass die Landtagsabgeordneten ihrer Partei Ypsilanti geschlossen wählen würden.

Mit Material der Agenturen

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