Von Gerd Langguth
Bonn - Merkel will Schwarz-Grün in Hamburg. Wenn sich Merkels Generalsekretär Ronald Pofalla als "Minenhund" unentwegt für ein Bündnis mit den Hamburger Grün-Alternativen ausspricht und diese als zukunftsfähiger als die SPD preist, dann ist er "His Masters Voice". Er rühmt sich, Mitglied der "Pizza-Connection" jüngerer grüner und christdemokratischer Abgeordneter zu sein, die sich noch in der alten Bundeshauptstadt Bonn bei einem "Italiener" zu gelegentlichen gemeinsamen Strategiesitzungen trafen.
Die grünen Partei- und Fraktionslenker in Hamburg werden bei den Koalitionsüberlegungen sicher mitspielen wollen. Sie werden bald "Farbe bekennen" müssen, wie es im Sprachschatz der Kartenspieler heißt. Senatoren- und Staatsratsposten winken. Ob ihre Basis aber zustimmt?
Pofalla und Merkel sollten sich nicht zu früh freuen. Die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen, die sich in Hamburg noch "Grün-Alternative Liste (GAL)" nennen, dürften schwierig werden. Aber selbst in den immer wieder aufgeführten drei wichtigsten "Knackpunkten" (Elbvertiefung, Kohlekraftwerk, Schulpolitik) dürfte bei den bevorstehenden Verhandlungen Einigung erzielbar sein.
Merkel braucht eine zusätzliche Koalitionsoption
Schon längst setzten auch bei einigen Grünen auf Bundesebene Überlegungen ein, sich aus der SPD-Umklammerung mit Hilfe einer neuen Koalitionspolitik zu befreien. Sie werden sich aber gegenüber dem linken Flügel – und vor allem ihrer Basis – nur durchsetzen können, wenn in einem Bundesland eine funktionierende schwarz-grüne Koalition Pionierfunktion übernommen hat.
Unionsbündnisse mit Grünen auf lokaler Ebene – etwa in Frankfurt am Main, Essen, Duisburg und Freiburg, auch in einer Reihe von Landkreisen und Bezirken wie in Hamburg-Altona – haben nicht die gleiche Symbolkraft wie eine Koalition auf Landesebene.
Der Weg der Unionsparteien zu den Grünen war lang – er ist auch aus der Not der Koalitionsarithmetik geboren. Aber nicht nur. Schon längst haben sich die Milieus der Unionswähler - und -funktionäre - denen der Grünen angenähert. Insbesondere Ole von Beust entspricht in seinem Habitus, in seiner großstädtisch-hanseatischen Liberalität sehr dem Milieu vieler grüner Wähler. Auf vielen politischen Feldern sind sich zudem die Unionsparteien und die Grünen näher gekommen – etwa, wenn im neuen CDU-Grundsatzprogramm Deutschland erstmals als "Einwanderungsland" bezeichnet wird. Koch ist nicht Merkel. Sie, Pofalla oder etwa dessen Vorgänger Ruprecht Polenz, der sich in besonderer Weise einer christlich-muslimischen Zusammenarbeit verpflichtet sieht, stehen für eine andere Linie.
Wie stark die Differenzen zur Vor-Merkel-CDU waren, zeigt die Tatsache, dass es noch in den achtziger Jahren vier Fraktionen innerhalb der grünen Bewegung gab. Für die meisten war die Totalablehnung einer Kooperation mit den Unionsparteien fester Bestandteil ihrer Grundüberzeugung:
Als später die bürgerlich-ökologisch orientierten Grünen um Herbert Gruhl (einst CDU-Bundestagsabgeordneter, Autor des Bestsellers "Ein Planet wird geplündert") und Bauer Baldur Springmann aus Frust über den zunehmenden Linkskurs der Grünen die neugegründete Partei verließen, schien ein Brückenbau zur Union noch weniger möglich.
Die einstige systemoppositionelle Partei "Die Grünen" war noch lange Zeit nach ihrer Gründung als Bundespartei (Januar 1980) selbst für die SPD nicht koalitionsfähig. Bevor sie erstmals 1983 auf Bundesebene mit 5,6 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde überwand, hatte sie sich schon auf Landesebene zu einer politischen Kraft entwickelt, so in Hessen, wo sie bei den Landtagswahlen im September 1982 8,0 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte. Der Sozialdemokrat Holger Börner lehnte lange Zeit eine Koalition mit den hessischen Grünen, die die Demonstrationen gegen den Flughafenausbau unterstützen, ab: Er wolle sich morgens beim Rasieren noch in den Spiegel schauen können, sagte er drastisch. Ironischerweise war er der erste Ministerpräsident, der sich dann doch zu einer Koalition mit den Grünen entschloss. Sein Motiv war die pure Not einer Mehrheitsfindung – eine Parallele zu den Ypsilantis der Gegenwart. Das Bündnis hielt nicht lang - und zu einer Koalition im Bund kam es erst 1998.
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