Berlin - "Unsere Zusammenkunft mit den Grünen war natürlich ein Tabubruch. In der damaligen Zeit gab es zwar Kontakte unserer älteren Kollegen zur SPD, zur FDP natürlich, aber nicht zu den Grünen. Eine solche Konstellation war den meisten verpönt. Wir haben das damals anders gesehen. Dass wir zusammenkamen, war auch eine Generationenfrage. Wir verstanden uns einfach, die ideologischen Vorbehalte der Älteren gab es nicht.
Ich kann wirklich sagen: Die vierteljährlichen Abende mit den Grünen gehörten zu den nettesten Zusammenkünften in Bonn. Wir kamen uns auch menschlich näher, wir besprachen persönliche Dinge. Ein Teil der Grünen kam ja aus der katholischen Jugend, viele aus Elternhäusern, in denen CDU gewählt wurde. Manche hatten sich aus einer Protesthaltung heraus der damals noch jungen alternativen Partei zugewandt. Darüber haben wir uns ausgetauscht und so auch gegenseitiges Verständnis entwickelt.
Helmut Kohl und Joschka Fischer haben beide sehr schnell Wind von unseren Treffen bekommen. Helmut Kohl nicht zuletzt wohl deshalb, weil bei unserem ersten Treffen Juliane Weber, Kohls Büroleiterin, in dem Restaurant am Eingang zur Küche saß, durch die man in den Weinkeller gelangte, in dem wir uns trafen. Sowohl Kohl als auch Fischer haben unsere Treffen skeptisch betrachtet, gerügt haben beide sie nie. Wir Jüngeren haben uns oft amüsiert über die Haltung der beiden, ihre Ausdrucksweisen, ihre Gesten. Das ähnelte sich schon sehr. Aus der damaligen Zeit sind auch Freundschaften zu Grünen geblieben - bei mir zu Cem Özdemir, der heute im Europaparlament sitzt und zu Wolfgang Schmitt, der einer der beiden Geschäftsführer der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit ist."
Aufgezeichnet von Severin Weiland
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