Berlin - Johannes Kahrs dementierte nicht den ganzen Bericht des "Flensburger Tageblatts". Aber den wichtigsten Teil: Das Wort "büßen". Er erklärte heute in Berlin, er habe am Rande eines Treffens mit SPD-Senioren im holsteinischen Neustadt definitiv nicht gesagt, dass Beck für seine Äußerungen zur Linkspartei vor der Hamburg-Wahl "büßen" müsse. Der Chef vom Dienst des "Flensburger Tageblatts", Bernd Ahlert, erklärte dagegen, seine Zeitung bleibe bei ihrer Darstellung. Kahrs habe die Äußerung getan wie zitiert.
Bei seinen Äußerungen zur Kanzlerkandidatur bleibt Kahrs. Er habe bei der Veranstaltung betont, dass derjenige Kandidat werde, der am ehesten die Wahl gewinnen könne. Auf Nachfrage habe er erklärt, dass es "derzeit" nicht danach aussehe, dass dies Beck sei.
Zuvor hatte das "Flensburger Tageblatt" den Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises angesichts des Linksschwenks von Beck mit den Worten zitiert: "Dafür muss er büßen. Damit hat sich die Kanzlerfrage schon erledigt." Becks Verhalten habe der SPD bei der Hamburg-Wahl "das Genick gebrochen". Das "Flensburger Tageblatt" bleibt bei seiner Darstellung.
Am Morgen hatten Kahrs Worte für heftige Reaktionen gesorgt. Vorstandsmitglied Niels Annen mahnte seine Partei, Ruhe einkehren zu lassen und die Diskussion über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten zu beenden. Die SPD werde sich nicht von ihrem Zeitplan abbringen lassen. Beck werde einen Vorschlag für den Kanzlerkandidaten unterbreiten. "Ich habe keinen Zweifel, dass der Vorschlag, den Kurt Beck machen wird, auf große Akzeptanz stoßen wird. Und es bleibt dabei: Der Vorsitzende hat das erste Zugriffsrecht, er hat das Vertrauen."
Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hatte zuvor an seine Partei appelliert, die Diskussion über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten zu beenden. "Die Diskussion über Verfahren und Kanzlerkandidaten ist eine Debatte zur falschen Zeit", sagte Heil dem Berliner "Tagesspiegel". Beck werde zum richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag machen. "Das ist in der Parteispitze einvernehmlich vereinbart." Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Diskussion ist völlig überflüssig und für die Partei nicht hilfreich."
Bei einer Umfrage hatten sich 91 Prozent der SPD-Wähler dafür ausgesprochen, dass die Parteibasis über den Herausforderer von Angela Merkel (CDU) in einer Urwahl entscheidet.
Auch der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Klaas Hübner, kritisierte die innerparteiliche Debatte um eine möglich Urwahl scharf. "Das ist eine Debatte zur Unzeit. Es steht derzeit gar keine Kandidatennominierung an", sagte Hübner der "Berliner Zeitung". Beck will frühestens im Herbst erklären, ob er gegen Merkel antritt. Hübner sagte dazu: "Ich bin mir sicher, dass Kurt Beck einen Vorschlag machen wird, hinter dem wir uns alle vereinen können."
Im Gegensatz zur Basisbefragung von 1993, bei der sich Rudolf Scharping gegen Gerhard Schröder und Heidemarie Wieczorek-Zeul als Parteichef durchsetzte, gebe es heute kein Machtvakuum in der SPD, sagte Hübner.
ler/als/dpa/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH