Von Stefan Schultz
Was genau im Brief ihres Ex-Mannes stand, will Katja* nicht sagen. Nur dass sich der Inhalt weitgehend mit dem eines Artikels deckte, den der Ex-FAP-Mann kurz darauf im Internet veröffentlichte und der SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Indirekt stempelte er Katja darin zum "Verräterschwein" ab. Sie kooperiere nun mit systemtreuen Medien, sogenannten "Volksverdummern", schrieb er. Sie helfe nun dem Verfassungsschutz, der "kriminalisiert, provoziert, Zwietracht sät, Menschen kauft und verkauft, fehlinformiert, korrumpiert, drangsaliert und Familien zerstört". Ihre Haupt-Triebfeder sei "nunmehr das Geld, für das sie offenbar alles zu tun bereit ist".
Indirekt droht er Katja in dem Artikel. Zwar schreibt er, an "tätlichen Angriffen auf seine Frau" nicht interessiert zu sein, weil diese "immer auch meine Kinder treffen würden". Gleichzeitig aber gibt er seiner "Hoffnung" Ausdruck, "dass die Verräter eines Tages vor ein Reichsgericht gestellt werden können und sie dort ihre gerechte Strafe erhalten".
Die Botschaft ihres Mannes blieb nicht ohne Wirkung. "Späher belagerten nun unser Haus, fotografierten und verfolgten mich", berichtet Katja. Zu tätlichen Übergriffen sei es zwar nie gekommen. "Die wussten ja, dass ich mit Behörden und Medien in Kontakt stehe." Das Stalking sei jedoch "ein schier unerträglicher Psychoterror gewesen".
Immer wieder tauchten neue Brandbriefe im Internet auf. "In einem davon stand: 'Versuch nicht wegzulaufen, du wirst nur müde sterben'", berichtet Katja.
Drei Jahre dauerte die Flucht
Wieder zog die Familie um, wieder wandte sich Katja an die Medien. "Meine Arbeit für Aussteigerprogramme und andere Initiativen gegen Rechts hat unsere Flucht sicher nicht erleichtert", räumt sie heute ein. "Es ging aber nicht anders. Es war mein Weg, die Vergangenheit zu verarbeiten."
Drei Jahre dauerte die Flucht, dann verloren die Verfolger Katjas Spur. Heute lebt die Familie in relativ sicheren Verhältnissen. "So sicher wie man als 'Verräterschwein' eben leben kann", sagt Katja.
Ihre Kinder fassen nun langsam Fuß im neuen Leben. "Die Größeren bereiten sich aufs Berufsleben vor. Bei den Kleineren freue ich mich, dass sie nun ohne Druck, Drill, Zwang und Gewalt aufwachsen können", sagt Katja.
Vor allem sie haben noch eine Chance, die dunkle Vergangenheit ihrer Familie abzuschütteln.
* Name von der Redaktion geändert.
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