Berlin - In der SPD-Parteizentrale wird nach Informationen des SPIEGEL derzeit eine Wahlkampfplanung entwickelt, die auf den Vorsitzenden Kurt Beck zugeschnitten ist. Klar scheint zudem, dass sich die Sozialdemokraten auf eine sehr konfrontative Wahlkampagne in scharfer Abgrenzung zur CDU vorbereiten.
Am Dienstag vergangener Woche kam eine Gruppe von Spitzenvertretern des Willy-Brandt-Hauses in der Berliner Parteizentrale zusammen, um über erste Planungen für den Bundestagswahlkampf 2009 zu beraten. Unter anderem wurde dabei eine Deutschland-Tour des Kandidaten mit etwa 30 bis 40 Veranstaltungsorten festgelegt, ihr Auftakt soll in Berlin sein.
Thematisch soll eine "Polarisierung Schwarz-Rot" im Vordergrund stehen. Unter dem Motto "Gute Arbeit – Mindestlohn" will die SPD die CDU im Wahlkampf thematisch treiben. Ein Schwerpunkt wird auf "negative campaigning" liegen, also auf dem Schlechtmachen des politischen Gegners. Für die Online-Kampagne ist eine Website "Wir-fuer-Beck.de" reserviert, in der Schreibweise sowohl mit als auch ohne Bindestriche. Diese Internet-Adresse gab es schon während Becks rheinland-pfälzischem Landtagswahlkampf 2006.
Eine Website "Wir-fuer-Steinmeier" wurde dagegen nicht angelegt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist seit längerem als alternativer SPD-Kanzlerkandidat im Gespräch. Die Plakatierung soll in drei Phasen verlaufen, wobei in der zweiten Phase der "Kandidat mit Menschen" gezeigt werden soll. Beck tingelt derzeit unter dem Motto "Nah bei den Menschen" durch die Republik. Das stark sozial und gegenüber dem Koalitionspartner aggressiv ausgelegte Konzept sowie die Namenszuschreibung der Homepage deuten SPD-Insider als Indiz für eine Kandidatur Becks.
Steinmeier hatte zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass er es für erforderlich halte, die politische Mitte nicht preiszugeben. Im Licht des Kurses von Beck und der weiter erodierenden Umfragewerte der SPD und ihres Vorsitzenden halten es Spitzengenossen inzwischen für "unwahrscheinlich bis ausgeschlossen", dass Steinmeier unter einem Parteichef Beck als Kanzlerkandidat anträte.
Heute ist Beck beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen SPD in Düsseldorf zu Gast. Unter dem Motto "Starke Städte. Starkes Land" kommen 450 Delegierte im einstigen Stammland der Sozialdemokraten zusammen. Landeschefin Hannelore Kraft stellt sich ohne Gegenkandidat zu Wiederwahl.
flo/AP
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