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11.04.2008
 

Stichtagsregelung

Bundestag erleichtert Stammzell-Forschung

Die Abgeordneten des Bundestages haben die ethisch umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen vereinfacht. Künftig dürfen Forscher auch Zelllinien importieren, die nach dem 1. Januar 2002 entstanden sind. Der Stichtag wurde um mehr als fünf Jahre auf den 1. Mai 2007 verschoben.

Berlin - Die Forschung an embryonalen Stammzellen wird in Deutschland erleichtert. Bisher galt hier eines der strengsten Gesetze der Stammzellforschung: Es durften nur Zelllinien verwendet werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden und aus dem Ausland stammen. In namentlicher Abstimmung votierten 346 Abgeordnete für eine einmalige Verschiebung des Stichtags für zur Forschung freigegebenen Stammzellen auf den 1. Mai 2007. Dagegen stimmten 228 Parlamentarier, 6 enthielten sich.

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Zuvor hatte der Bundestag bereits über weitere Anträge zur Stammzellforschung abgestimmt. Dabei lehnten die Abgeordneten sowohl ein Totalverbot der Forschung an embryonalen Stammzellen als auch die völlige Freigabe solcher Forschungsarbeiten ab. Die Abstimmungen erfolgten namentlich und ohne Fraktionszwang.

Zu den Befürwortern einer einmaligen Verschiebung des Stichtages gehörte Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Die CDU-Politikerin hatte während der Debatte im Bundestag am Vormittag versichert, das Gesetz werde so weiterentwickelt, dass ein schmaler Korridor für verantwortungsbewusste Forschung erhalten bleibe. Ihre Parteikollegin Maria Böhmer warnte dagegen vor einem "Dammbruch beim Embryonenschutz", wenn der Stichtag verschoben würde, nur weil die Forschung dies fordere. "Wenn der Bedarf einmal der Grund für die Verschiebung ist, kann er es auch ein zweites und drittes Mal sein und dann sind wir auf einer schiefen Ebene", sagte die Mitautorin des bislang geltenden Stammzellgesetzes.

Wissenschaftler hatten die bisherige Stichtagsregelung kritisiert, die inzwischen mehr als sechs Jahre alten Stammzellen seien zu alt und verunreinigt. Deutsche Forscher befürchteten deshalb, international ins Hintertreffen zu gelangen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden.

Umstritten ist, wie nötig die Forschung an embryonalen Stammzellen tatsächlich ist. Noch gibt es keine Therapie mit embryonalen Stammzellen, Wissenschaftler setzen jedoch große Hoffnungen in die Alleskönner-Zellen und glauben, damit einmal Krankheiten wie Parkinson und Diabetes behandeln zu können. Eine Alternative zu embryonalen Stammzellen könnten reprogrammierte Körperzellen sein. Diese sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) können mit gentechnischen Methoden ethisch unbedenklich erzeugt werden und scheinen die gleichen Eigenschaften wie embryonale Stammzellen zu besitzen. Mit diesen Zellen gelang es Forschern bereits, in Mäusen Parkinson-Symptome zu lindern.

ler/ddp

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