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18.04.2008
 

Streit um Tempelhof

Scharfe Kritik an Merkels Werbe-Offensive

Als "Symbol der Geschichte" hat Angela Merkel Berlins Stadtflughafen Tempelhof gepriesen und für dessen Weiterbetrieb geworben - jetzt hagelt es Kritik: Bürgermeister Wowereit warf der Kanzlerin Verlust ihrer Glaubwürdigkeit vor, auch Grüne und Linke geißelten den Vorstoß.

Berlin - Der persönliche Einsatz von Kanzlerin Angela Merkel für Berlins Stadtflughafen Tempelhof kommt beim Regierenden Bürgermeister der Stadt gar nicht gut an: Klaus Wowereit (SPD) wies Merkels Äußerungen als "durchsichtiges parteipolitisches Manöver" zurück. "Spätestens jetzt ist klar, dass es der CDU beim Thema Tempelhof um eine Parteikampagne geht", erklärte Wowereit. Merkel habe damit jede Glaubwürdigkeit verspielt.

Tempelhof-Gelände aus der Luft: "VIP-Flughafen für Bosse und reiche Leute"
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AP

Tempelhof-Gelände aus der Luft: "VIP-Flughafen für Bosse und reiche Leute"

Die Kanzlerin selbst habe es damals abgelehnt, die Flugbereitschaft in Tempelhof zu konzentrieren. Der Bund als Miteigentümer des Geländes habe den Antrag auf Schließung mit gestellt und in allen Gremienabstimmungen mitgetragen. Es sei "schon ein starkes Stück", wenn sich Merkel nun derart einspannen lasse, erklärte das Stadtoberhaupt.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi erklärte, Tempelhof sei ein reiner Zuschussbetrieb. Daher sei es falsch, wenn Merkel zu dessen Erhalt rate. Die Hauptstadt brauche einen internationalen Verkehrsflughafen und keinen VIP-Flughafen im Zentrum für die Privatflüge von "Bossen und anderen reichen Leuten".

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf Merkel vor, "mit ihrer Einmischung" den Wirtschaftsinteressen der Region einen Bärendienst zu erweisen. "Statt sich leichtfertig vor den Karren einer offensichtlich parteipolitischen Kampagne spannen zu lassen, sollte sich Merkel besser an das von Bund, Berlin und Brandenburg beschlossene Konzept halten", sagte Künast. Merkel müsse "sich jetzt umgehend erklären, ob sie für den Bund die geschlossenen Vereinbarungen aufkündigen will".

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, dankte dagegen Merkel und Steinbrück "für ihren Einsatz für den Flughafen Tempelhof". Der Airport sei ein Chancenflughafen, ein Landeplatz für Investitionen und Arbeitsplätze, erklärte Pflüger.

"Ein Symbol der Geschichte dieser Stadt"

Merkel hatte sich in den Streit um den Berliner Flughafen Tempelhof eingeschaltet und dessen Erhalt befürwortet. "Der Weiterbetrieb von Tempelhof ist nicht nur von Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitsplätze: Der Flughafen ist für viele und für mich persönlich mit der Luftbrücke ein Symbol der Geschichte dieser Stadt", sagte Merkel. Sie hoffe, dass viele Bürger beim Volksentscheid in einer Woche über die Zukunft des Flughafens von ihrem Stimmenrecht Gebrauch machten.

Die Berliner sind am 27. April zum Volksentscheid über die Frage aufgerufen, ob der City-Airport tatsächlich wie geplant Ende Oktober geschlossen werden oder trotz des künftigen Großflughafens Schönefeld weiter in Betrieb bleiben soll. Laut der Berliner Tageszeitung "B.Z." haben bereits 190.000 Briefwähler ihre Stimmen abgegeben.

Tempelhof ist der älteste und kleinste der drei Berliner Flughäfen. Er liegt nahe am Zentrum und grenzt an die einwohnerstarken Stadtteile Neukölln und Kreuzberg. Berühmt wurde der Flughafen durch die Luftbrücke, als amerikanische "Rosinenbomber" während der Zeit der sowjetischen Blockade Westberlins nahezu im Minutentakt Tempelhof anflogen und so die Versorgung der eingeschlossenen Stadt sicherstellten.

Der Senat aus SPD und Linkspartei will den verlustbringenden Flughafen im Oktober stilllegen. Die Airlines sollen dann den Flughafen Schönefeld anfliegen, der zu einem internationalen Großflughafen ausgebaut wird. Nach der Fertigstellung soll auch Berlin-Tegel geschlossen werden. Gegen den Beschluss hatten mehrere Fluggesellschaften vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt, waren damit aber gescheitert.

amz/sam/AFP/AP

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