Berlin - Die Chancen für eine Bahn-Privatisierung steigen: Der SPD-Parteirat hat mit deutlicher Mehrheit das Modell von Parteichef Kurt Beck gebilligt. Es gab 77 Ja-Stimmen, 25 Parteiratsmitglieder stimmten gegen den Beck-Vorschlag, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Rande der Parteisitzung in Berlin.
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Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte, er sei "sehr zufrieden" mit dem Ergebnis. Es bedeute "starken Rückenwind für die Bahnreformpläne". Der SPD-Politiker zeigte sich sicher, dass nun in der Union wieder Diskussionen aufbrechen werden. Forderungen aus CDU und CSU nach einer Zerschlagung des Konzerns seien mit der SPD jedoch nicht zu machen.
Durch die Zustimmung des Parteirats, dem höchsten Gremium zwischen Parteitagen, wird das Ja der SPD zur Privatisierung wahrscheinlicher. Mehrere Landesverbände wollten von seinem Votum ihre Entscheidung abhängig machen, ob sie einen Sonderparteitag beantragen, der die Festlegung der SPD auf das Modell wieder in Frage stellen könnte.
Der Vorsitzende des SPD-Parteirates, Claus Möller, wertete den Bahn-Beschluss "als klaren Vertrauensbeweis für Kurt Beck". Der Plan, den Parteichef Beck gegen Bedenken der SPD-Linken durchsetzte, will mit der Viertelprivatisierung des Güter- und Personenverkehrs den Einfluss privater Investoren auf die Bahn verhindern. Dies ist die Hauptsorge der Privatisierungskritiker in der Partei. Ein früherer Plan, der eine Privatisierung von 49,9 Prozent vorsah, war daher in der SPD nicht durchsetzbar.
Der SPD-Linke und Kritiker der Bahnprivatisierung, Hermann Scheer, sprach von einem akzeptablen Kompromiss. Die Höchstgrenze von 24,9 Prozent sei "ein riesiger Schritt weg von einer Privatisierung, die Kapitalinteressen unternehmensbestimmenden Einfluss gibt". Die Forderungen der Privatisierungsgegner seien damit zu 75 Prozent umgesetzt.
Beck will am kommenden Montag bei Beratungen der Koalitionsspitzen darauf dringen, dass die Privatisierung nach dem SPD-Modell umgesetzt wird.
hen/ssu/AFP/AP/Reuters/ddp
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