Biberach/Bad Schussenried - Er war unzufrieden mit seiner früheren Partei, hat sich eine neue politische Heimat gesucht und sie jetzt gefunden: Der ehemalige Grünen-Politiker Oswald Metzger ist offiziell in die CDU aufgenommen worden. Der Vorstand des Kreisverbands Biberach stimmte der Aufnahme am Mittwochabend auf einer Sitzung im baden-württembergischen Bad Schussenried mit Mehrheit zu.
Neu-Christdemokrat Metzger: Parteiwechsel nach 20 Jahren
Der Verband lobte im Anschluss an die Beratungen die Entscheidungsfindung: "Wir haben als Kreisverband gezeigt, dass wir eine starke CDU sind und unsere Probleme selber lösen können", sagte die stellvertretende Vorsitzende und Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle. Oswald Metzger kommentierte: "Ich habe nichts anderes erwartet".
Der 53-Jährige Metzger hatte Ende März angekündigt, zur CDU übertreten und im Herbst 2009 für den Bundestag kandidieren zu wollen. Zuvor hatte der Finanzexperte Ende November 2007 die Grünen nach gut 20 Jahren verlassen, weil er deren Kurs in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr mittragen wollte.
Dass der CDU-Kreisverband Biberach positiv über den Aufnahmeantrag des ehemaligen Grünen-Politikers entscheiden würde, galt als wahrscheinlich: Formal erfüllt der frühere Bundestags- und Landtagsabgeordnete die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft. Dennoch dürfte die "Causa Metzger" nicht vollkommen problemlos über die Bühne gegangen sein: Über drei Stunden lang diskutierte der Vorstand den Aufnahmeantrag des Grünen.
Selbst vor der Führung der Südwest-CDU hatte der Streit über Metzger nicht Halt gemacht: Landeschef und Ministerpräsident Günther Oettinger wollte im März laut Pressebericht Metzgers Aufnahmewunsch öffentlich begrüßen, sei aber in einer Telefonkonferenz von Landtagsfraktionschef Stefan Mappus gestoppt worden. Die Landes-CDU wollte sich nicht einmischen, weil sie eine Trotzreaktion des Kreisverbandes fürchtete, hieß es hinter den Kulissen.
Metzger hatte nämlich nicht nur einen Wechsel seines Parteibuchs in Aussicht gestellt, sondern gleichzeitig angekündigt, bei der Bundestagswahl 2009 im Wahlkreis Biberach die Direktkandidatur für die CDU anzustreben. Dies stieß bei einzelnen Mitgliedern des CDU-Kreisverbands auf scharfe Kritik, zumal Metzger seine Pläne dort zuvor niemandem mitgeteilt hatte.
Inzwischen haben mehrere Kreisverbandsmitglieder angekündigt, sich ebenfalls um die Direktkandidatur bewerben zu wollen, darunter der Vorsitzende Josef Rief. Der Kreisverband entscheidet am 1. Juli über die Nominierung. Der Finanzexperte Metzger schätzte seine Chancen "50 zu 50" ein, dass es mit der Nominierung klappt.
Der 53-jährige Metzger saß von 1994 bis 2002 als Haushaltsexperte der Grünen im Bundestag und war zuletzt Mitglied des baden-württembergischen Landtags. In der CDU will er nach eigenen Angaben zur Schärfung des wirtschaftspolitischen Profils beitragen.
amz/ddp/dpa
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