München - Im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen gegen den Siemens-Konzern hat der frühere Vorstands- und Aufsichtsratschef von Siemens, Heinrich von Pierer, nicht nur mit dem damaligen bayerischen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) gesprochen. Er versuchte auch, mit Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) zu diesem Thema Kontakt aufzunehmen.
Beate Merk und Günther Beckstein (Archivbild): Anruf und Treffen mit Pierer
Beckstein hatte sich hingegen am 14. Dezember 2006 persönlich mit Pierer getroffen, wie er selbst bereits eingeräumt hat. Wenige Wochen zuvor waren die Ermittlungen gegen Siemens bekanntgeworden. Auch Beckstein versichert in einem Brief an den bayerischen SPD-Fraktionschef Franz Maget, dass dieses Gespräch "keinen Einfluss auf die Ermittlungen der bayerischen Justiz in der Siemens-Korruptionsaffäre gehabt" habe.
Es habe sich um ein "Gespräch zu den Auswirkungen der Korruptionsaffäre auf die Siemens AG" gehandelt, erklärte Beckstein, der zum Zeitpunkt des Treffens noch bayerischer Innenminister war. "Warum Herr Dr. von Pierer das Gespräch genau zu diesem Zeitpunkt suchte und was ihn zu diesem Gespräch veranlasst hat, kann Ihnen nur Herr Dr. von Pierer selbst beantworten", schrieb Beckstein an Maget. "Ich habe zu keiner Zeit Einfluss auf die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Firma Siemens genommen", betonte der CSU-Politiker in dem Brief.
Die Schmiergeldaffäre war im November 2006 mit Razzien bei zahlreichen Siemens-Mitarbeitern ins Rollen gekommen. Maget hatte von einem "eigentümlichen zeitlichen Zusammenhang" gesprochen, dass nach dem Gespräch zwischen Beckstein und Pierer die Untersuchungen über die Verstrickung der Konzernspitze offenbar ins Stocken geraten seien.
Pierer ließ heute zum Gespräch mit Beckstein über seinen Anwalt Winfried Seibert erklären, dass "im Interesse des Unternehmens Handlungsbedarf" bestanden habe. Nach der Verhaftung des Siemens-Vorstands Johannes Feldmayer habe er im März 2007 auch mit Justizministerin Merk telefoniert, um "im Namen des Unternehmens den Ermittlern eine Garantie anzubieten, dass Herr Feldmayer nicht fliehen würde. Zu einem Gespräch mit Frau Merk ist es darüber allerdings nicht gekommen, da sie über das laufende Ermittlungsverfahren bei diesem Stand nicht sprechen wollte", ließ Pierer seinen Anwalt mitteilen. Weitere Gesprächsversuche habe es nicht gegeben.
Empörung bei den Grünen
Der Grünen-Abgeordnete Martin Runge äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur ddp empört, dass Pierer überhaupt so leicht Zugang zu Ministern gefunden habe: "Aber das sind ja alles CSU-ler, auch der Herr von Pierer, und so von Parteifreund zu Parteifreund geht das anscheinend." Runge sagte, er habe große Zweifel am Ermittlungseifer der Staatsanwaltschaft im Fall Siemens. Es sei "offenkundig, dass sich die bayerische Staatsregierung eingemischt hat".
Diesen Vorwurf wies Merk strikt zurück. Sie betonte im Landtag, es habe "keinerlei Einfluss von Mitgliedern der Staatsregierung auf die Ermittlungsmaßnahmen" gegeben. In den Staatsanwaltschaften München und Nürnberg sei "keiner zu Tun, Handeln oder Unterlassen gedrängt worden". Solche Unterstellungen gegen die Staatsanwaltschaften finde sie "unverschämt, schlichtweg unverschämt". Merk warf Runge vor, ihm gehe es nur um "Showeffekte".
Runge dagegen sagte, Pierer werde sich nicht mehr lange auf den politischen Schutz verlassen können: "Ich denke, da wird jetzt irgendwann ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet." Es sei völlig unglaubwürdig, dass die Siemens-Führung von den Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe nicht gewusst habe. "Da muss jetzt etwas passieren", forderte der Grünen-Abgeordnete.
Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft derzeit umfangreiche Unterlagen, die Pierer über seinen Anwalt eingereicht hat. Ob auf dieser Grundlage Ermittlungen gegen ihn aufgenommen werden, ist noch nicht bekannt. Bislang ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 270 aktive und ehemalige Siemens-Mitarbeiter. Das Landgericht München verhängte im Oktober 2007 bereits eine Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro gegen den Konzern. Siemens geht davon aus, dass im Schmiergeldskandal rund 1,3 Milliarden Euro in schwarzen Kassen gelandet sind.
phw/ddp/dpa/AP
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So ist es leider. In anderen Ländern gibt es halt andere Gesetze. Um sich da Aufträge zu sichern, muß man schmieren. Und das geht bei einem deutschen Unternehmen nur mit entsprechenden (schwarzen) Kassen. Das weiß auch Jeder. [...] mehr...
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Siemens war nicht mehr oder weniger korrupt als seine Konkurrenten! Es passte jedoch in die Strategie von General Elektric und der US Administration, die Deutschen zu schwächen, um einen Teil der Marktpositionen im Nahen und [...] mehr...
Zumindest deutlich vorsichtiger. Und wenns dann nur eben der nächst-korrupte den Auftrag kriegt und Siemens dafür halt bißchen mehr Kurzarbeit und Personalabbau hat. mehr...
warum fragt man das nur bei Siemens? Korruption schlägt dem angewiderten Bürger aus allen Ecken entgegen. Wie ist das mit der FDP und deren Handaufhalten? CSU und CDU sollen besser sein? Lachhaft, wenn es nicht so katastrophal [...] mehr...
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