Nürnberg/Hamburg - Gewalt am Rande von NPD-Aufmärschen am 1. Mai: Bei einer Demonstration autonomer Gruppen gegen einen Aufmarsch der NDP ist es in Nürnberg zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Mehrere Demonstranten seien bei Schlagstockeinsätzen leicht verletzt worden, berichten Augenzeugen.
Die zumeist schwarz gekleideten Autonomen sollen am Mittag versucht haben, eine Polizeikette zu durchbrechen, um den NPD-Aufmarsch zu stoppen. Dabei hätten linke Demonstranten mit Feuerwerkskörpern auf Polizeibeamte geworfen, berichten Beobachter. Die Polizei habe mit Pfefferspray und einem Schlagstockeinsatz geantwortet.
Offenbar fühlte sich die Polizei von einem Sprecher der "Organisierten Autonomie" provoziert, der Demonstranten über Lautsprecher aufgefordert hatte, Ketten zu bilden und sich nicht einschüchtern zu lassen. Daraufhin hätten Polizeibeamte den Lautsprecherwagen der Autonomen gestürmt und die Anlage abgeschaltet, berichten Zeugen. Mehrere Demonstranten hätten Kopfplatzwunden erlitten.
Insgesamt sind in Nürnberg drei Gegendemonstrationen gegen den NPD-Aufzug geplant. Die Polizei hatte am Morgen die rund vier Kilometer lange Demo-Strecke der NPD komplett mit Sperrgittern abgeriegelt, um eine Konfrontation rechts- und linksextremer Demonstranten zu verhindern. Die Polizei hat rund 3000 Kräfte im Einsatz. Auf der Kundgebung wollte unter anderem der NPD-Vorsitzende Udo Voigt auftreten.
Zu Rangeleien kam es auch in Hamburg. Hier demonstrierten rund 7000 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 1100 NPD-Anhängern im Stadtteil Barmbek. Am Rande der Demonstration kam es zu Zusammenstößen zwischen Linken und Rechten. Steine flogen, Müllcontainer wurden in Brand gesteckt, Rauchbomben und Knallkörper gezündet. Außerdem wurde ein Reifenlager angezündet.
Die Polizei, die mit mehreren Hundertschaften vor Ort war, setzte Wasserwerfer ein. Nach Angaben von Augenzeugen kesselten die Beamten einige vermummte Demonstranten ein. Einem Polizeisprecher zufolge wurde ein Streifenwagen umgekippt, mehrere Beamte wurden von Demonstranten bedrängt.
Zuvor hatten linke Demonstranten laut Polizei an den Bussen, mit denen die rechten Demonstranten anreisen wollten, Scheiben zerstört. Die Rechten wurden in der Folge unter Polizeischutz zu ihrem Veranstaltungsort gebracht.
Schon in der Nacht zuvor war es nach einer Walpurgisnacht-Demo von etwa tausend Linksautonomen im Hamburger Schanzenviertel zu Krawallen gekommen. Vier Randalierer wurden nach Stein- und Flaschenwürfen sowie dem Anzünden von Müllcontainern festgenommen. Die Schaufenster einer Sparkassenfiliale wurden zertrümmert.
DGB verteidigt "unseren 1. Mai"
Auch in Leipzig war es nach einem Konzert am Völkerschlachtdenkmal in der Nacht zum Donnerstag zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Randalierern gekommen. Die Beamten seien aus einer Gruppe von mehreren hundert gewaltbereiten Personen mit Flaschen beworfen worden, teilte die Polizei mit.
In Berlin ist die Polizei ebenfalls auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet. Insgesamt sind in der Hauptstadt rund 4700 Beamte im Einsatz. Beim Auftakt zur traditionellen "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" blieb es aber zunächst ruhig. Schon die Walpurgisnacht war in der Hauptstadt trotz einiger Zwischenfälle so friedlich verlaufen wie seit zehn Jahren nicht mehr. 24 Menschen wurden in der Nacht zum 1. Mai festgenommen, 13 Polizeibeamte verletzt.
Dem bundesweiten Anti-NPD-Protest schloss sich auch SPD-Chef Kurt Beck an: "Alt- und Neonazis darf kein Raum für ihre menschenverachtende Ideologie gelassen werden", sagte er auf der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Mainz. DGB-Chef Michael Sommer ergänzte: "Es ist nicht hinnehmbar, dass Justiz und Verwaltungen nicht in der Lage sind, Nazi-Provokationen an unserem 1. Mai zu verhindern."
wal/dpa/AP/ddp
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