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01.05.2008
 

Charmeoffensive in Aachen

Sarkozy macht Merkel eine Liebeserklärung

Er sprach von Liebe - und sie lächelte: Das Zusammentreffen zwischen Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel bei der Verleihung des Karlspreises in Aachen war ungewöhnlich harmonisch. In seiner Laudatio schwelgte der Franzose in Bewunderung.

Aachen - Eine solche Charmeoffensive hat der Aachener Karlspreis in den vergangenen 50 Jahren wohl noch nicht erlebt. Nicolas Sarkozy nutzte seine Laudatio auf Preisträgerin Angela Merkel zu einem unerwarteten Bekenntnis: "Ich liebe Angela Merkel - mehr als manche schreiben mögen." Er bewundere diese Frau aus dem Osten Deutschlands, von der er viel gelernt habe, gestand Sarkozy in seiner weitgehend frei gehaltenen Rede.

Bisou, bisou: Küsschen, Küsschen für Angela Merkel vom französischen Präsidenten
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DPA

Bisou, bisou: Küsschen, Küsschen für Angela Merkel vom französischen Präsidenten

Merkel, die in diesem Jahr für "ihren herausragenden Beitrag zur Überwindung der Krise der EU" ausgezeichnet wurde, verfolgte im Krönungssaal des Aachener Rathauses die Worte Sarkozys mit einem Lächeln. Der beteuerte, es sei für ihn eine "Chance und ein Glück", mit dieser "mutigen und intelligenten Frau" zusammenarbeiten zu dürfen. Kein Wort zu den angeblichen Differenzen, die zwischen den beiden Politikern bestehen sollen, stattdessen beschränkte sich der französische Staatspräsident darauf, Merkels Willensstärke hervorzuheben.

Merkel nutzte die Gelegenheit, um Sarkozy auf Französisch zu danken. Dann bekannte sich die Kanzlerin zu ihrer Vision eines freien, zukunftsgerichteten Europas. Sie habe in der DDR erlebt, dass Werte wie Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind, sagte Merkel und betonte: "Europa hat heute allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen." Die EU sei "die beste Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit". Sie sehe ihre Auszeichnung auch als Verpflichtung, weiter an Europa zu arbeiten.

Seit Wochen hatten sich Stadtverwaltung und Polizei für die wohl aufwendigste Karlspreisverleihung seit acht Jahren gerüstet. Damals war US-Präsident Bill Clinton für seine Bemühungen um Europa geehrt worden. An diesem Himmelfahrtstag präsentierte sich Aachen kühl und windig, kein "Kanzlerinnen-Wetter", wie eine der Zuschauerinnen auf dem Marktplatz enttäuscht feststellte. Dort verfolgten mehrere Zuschauer auf einer Großbildwand die Preisverleihung im Rathaus. Etliche bekundeten dabei mit Plakaten ihre Sympathie für Merkel. "Das ist mal eine Preisträgerin, mit der wir etwas anfangen können", sagte eine Studentin.

Vor dem Rathaus war derweil eine zweite "Angela" zu erleben. Etwa 20 kostümierte Globalisierungskritiker trugen unter Fanfarenklängen ihre eigene "Preisträgerin" in einer Sänfte und huldigten sie mit Sprechchören wie "Hoch lebe unsere Kanzlerin - Die neue Karlspreis-Kaiserin". Auf Flugblättern kritisierten sie den von Merkel maßgeblich vorangetriebenen EU-Reformvertrag als Dokument einer "neoliberalen Militarisierung".

Mit dem friedlichen und kreativen Protest war es allerdings vorbei, als etwa 50 vermummte Autonome auf den Marktplatz vordringen wollten, wo gerade die Ehrengäste vorfuhren. Es flogen Tische und Stühle der Straßencafés, ehe Polizisten den "Schwarzen Block" einkesseln konnten. Mindestens eine Person wurde festgenommen. Weitere Versuche von Demonstranten, dem Rathaus nahe zu kommen, blockte die Polizei erfolgreich ab.

Das für die Karlspreisträger eigentlich obligatorische "Bad in der Menge" auf dem Marktplatz musste in diesem Jahr ausfallen. Ausgerechnet, als die Ehrengäste das Rathaus verließen, ging ein heftiger Regenschauer über der Aachener Innenstadt nieder.

Markus Peters/ddp

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