Berlin - SPD-Chef Kurt Beck war nach eigenen Angaben nicht vorab über das Treffen von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mit dem Dalai Lama informiert. Beck sei über die für Montag in Berlin geplante Begegnung sehr verärgert, berichtete die "Welt am Sonntag".
Seine Partei werde dadurch abermals in die Defensive gedrängt, sagte Beck demnach am Rande des schleswig-holsteinischen Kommunalwahlkampfs am Freitagabend. "Keiner von uns hat gewusst, dass Heidemarie Wieczorek-Zeul den Dalai Lama treffen wollte", sagte Beck während eines Bummels durch die Lübecker Innenstadt zum Kieler SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner und dessen Frau, wie die Zeitung berichtet. Als er dann von dem Gesprächstermin der Ministerin erfahren habe, "war der Scheiß ja nicht mehr rückgängig zu machen", wird Beck zitiert.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte sich einer Begegnung mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter entzogen. Damit bringe die Ministerin die SPD in die Defensive, kritisierte Beck deshalb das Vorgehen von Wieczorek-Zeul. "Dann liegt der Ball wieder in unserem Feld", habe er sich beklagt. Zu Stegner gewandt habe Beck außerdem ironisch gesagt: "Manchmal kenne meine Begeisterung keine Grenzen."
Vor Beck hatten sich auch Steinmeier kritisch über das eigenmächtige Treffen Wieczorek-Zeuls mit dem Dalai Lama geäußert. Die Entwicklungshilfeministerin hatte SPIEGEL ONLINEerklärt, sie verstehe die Aufregung um das Treffen mit dem Dalai Lama nicht, sie spreche regelmäßig mit Religionsführern. "Es ist die Aufgabe des Entwicklungsministeriums, den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern und weltweit die Zivilgesellschaft zu stärken." Die Ministerin fügte hinzu: "Ich entscheide selbst, mit wem ich zusammentreffe. Dazu brauche ich keine Genehmigung einzuholen, weder von der Kanzlerin noch von irgendjemandem in der SPD." Sie treffe den Dalai Lama auch als Vertreterin der Bundesregierung.
Steinmeier hofft in der Lösung des Tibet-Konflikts auf die chinesische Diplomatie. Laut einem internen Papier des Ministers, das dem SPIEGEL vorliegt, plant China einen Neuanfang mit dem Dalai Lama. Um die Gespräche nicht zu stören, habe er selbst dem Religionsführer abgesagt. "Mutig sein", so der Außenminister zu Vertrauten, "heißt doch heute, den Dalai Lama nicht zu treffen."
als/AFP/dpa/ddp
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