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21.05.2008
 

Kirche

Katholikentag umwirbt deutsche Juden

Von Alexander Schwabe

Seit der Revision der Karfreitagsliturgie durch Papst Benedikt ist das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum schwer belastet. Die Kirche nehme antisemitische Tendenzen in Kauf, lautet der Vorwurf. Auf dem Katholikentag versucht sie, die Wogen zu glätten.

Hamburg - Die Fronten sind verhärtet. Große Teile des Judentums fühlen sich vom Vatikan schwer düpiert, seit Benedikt XVI. eine Fürbitte in die Karfreitagsliturgie eingeführt hat, in der gebetet wird, Gott möge die Herzen der Juden "erleuchten, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen".

Katholikentag in Osnabrück: Wohin entwickelt sich das katholisch-jüdische Verhältnis?
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AP

Katholikentag in Osnabrück: Wohin entwickelt sich das katholisch-jüdische Verhältnis?

Nun versucht das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das zerrüttete Verhältnis zwischen dem Judentum und der römischen Amtskirche zu verbessern. Auf dem Katholikentag in Osnabrück wird es die nächsten vier Tage rund 20 Veranstaltungen mit Vertretern des deutschen Judentums geben.

Dies ist bemerkenswert, weil der Zentralrat der Juden in Deutschland den Kontakt zur katholischen Kirche offiziell abgebrochen hat. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hatte von der katholischen Kirche "eine Rücknahme" des Gebets bis zum Katholikentag in Osnabrück gefordert.

Sie erklärte: "Die Karfreitagsfürbitte impliziert eine subtile Aufforderung zur Judenmission, die ich als brüskierend, überheblich und als deutlichen Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bezeichnen muss." Solange die katholische Kirche an dieser Bitte in der Karfreitagsliturgie festhalte, werde es keinen Dialog geben.

Intellektuelle jüdischen Glaubens wie der Frankfurter Soziologe Micha Brumlik und die Rabbiner Daniel Alter aus Oldenburg und Walter Homolka aus Berlin sagten ihre Teilnahme am Katholikentag ab. Homolka sagte in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, Benedikt gebe "zu erkennen, dass er glaubt, auch für die Juden führe der Weg zum Heil nur über Jesus, den Heiland. Das öffnet der Judenmission Tür und Tor. Schon jetzt ist das Internet voll mit Kommentaren rechtskonservativer Katholiken, die sagen: 'Wunderbar, jetzt haben wir endlich das Signal, Juden zu missionieren.' So ein Zeichen wirkt auf antisemitische Kreise äußerst stimulierend. Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff." Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft stünden vor einer Zerreißprobe, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Zollitsch und Brandt feiern zusammen

Wohl auch um diesen Vorwurf zu entkräften, haben die Organisatoren des Katholikentages die jüdisch-katholischen Veranstaltungen auf dem Treffen aufgewertet. Eine "christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier" wird am Donnerstagabend vom neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zelebriert zusammen mit dem Augsburger Rabbiner Henry Brandt und dem Kantor Nikola David. Ursprünglich war vorgesehen, dass der Osnabrücker Ortsbischof Franz-Josef Bode die Feier gestaltet.

Am Donnerstagnachmittag wird es zu einem Streitgespräch zwischen dem Rabbiner aus Braunschweig, Jonah Sievers, und dem Regensburger Theologieprofessor Heinz-Günther Schöttler kommen. Sie fragen sich: "Beten Juden und Christen zu demselben Gott?"

Die Rabbiner Brandt und Sievers haben sich dem Boykott des Katholikentages nicht angeschlossen. Brandt, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, schrieb zwar bereits vor zwei Jahren Kurienkardinal Walter Kasper ins Gewissen, jeder Anflug der Möglichkeit einer Judenmission durch die Kirche sei quasi ein feindlicher Akt, eine Fortsetzung der Untaten Hitlers den Juden gegenüber auf anderer Ebene.

Dennoch hält sich Brandt nicht an die Vorgaben des Zentralrats der Juden in Deutschland. Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte er, er billige die Fürbitte Benedikts nicht, doch es bringe nichts, dem anderen den Rücken zuzukehren. Dies führe meist zu einer Eskalation. Man müsse diskutieren, anstatt sich in eine Schmollecke zurückzuziehen.

Doch die Kritiker auf jüdischer Seite bleiben dabei: Die katholische Kirche habe den entscheidenden Schritt nicht getan, um wieder in einen fruchtbaren Dialog zu treten. Man nehme zwar den Wunsch einer Annäherung seitens der katholischen Kirche zur Kenntnis, doch sie versäume es, das Problem an der Wurzel zu packen, sagt Homolka. Seine Fraktion innerhalb des Judentums begnügt sich nicht damit, dass Kurienkardinal Kasper beteuert, die Karfreitagsfürbitte des Papstes sei keine Aufforderung zur Judenmission.

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