Berlin - Die SPD ist im Begriff, das von der FDP angestrebte Traumergebnis von 18 Prozent zu erreichen, wenn auch aus der anderen Richtung. Das ist kein Grund zur Schadenfreude, denn ohne eine starke und funktionierende Sozialdemokratie kann eine soziale Demokratie nicht gut funktionieren; andererseits gibt es im Bundestag, mit Ausnahme der FDP, nur noch sozialdemokratische Parteien, die unter den Logos von CDU, CSU, Grüne und Linke firmieren, so dass mit der Auflösung der Ur-Marke SPD kein allzu großer Schaden verbunden wäre.
Mit wehenden Fahnen: Die SPD im Abwärtstrend
Doch nun heißt es, Adieu sagen und sich auf eine Zukunft ohne die SPD vorbereiten. Für uns ältere Sozialdemokraten, die wir uns noch an Erich Ollenhauer, Karl Schiller, Herbert Wehner und Heinz Kühn erinnern können, die wir mit einem Fiat 500 zu viert von Köln nach Frankfurt gerast sind, um dort eine Vorlesung von Carlo Schmid ("Kater Carlo") zu stören und die wir mit der Ausrede vom "kleineren Übel" zähneknirschend zu den Wahlen gegangen sind, ist das trotz allem ein sentimentaler Moment.
Nur noch fleißige Ministranten
Wir haben den "Vorwärts" zwar nicht gelesen, aber aus Solidarität abonniert. Wir haben Günter Grass zugejubelt, als er uns zurief: "Ich rat Euch, SPD zu wählen!" Wir nahmen der SPD nichts übel, nicht einmal die Koalition mit der CDU unter Kiesinger, weil wir von der Notwendigkeit historischer Kompromisse überzeugt waren. Wir haben "Willy, Willy" gerufen und Gerhard Schröder sogar die Brioni-Nummer verziehen, weil wir keine knurrigen Spaßbremsen sein wollten. Und darüber haben wir übersehen, wie die SPD stückweise Harakiri beging, wie sie sich arrangierte, verbog und verzog, um es allen recht zu machen. Spätestens mit dem Umstieg von Gerhard Schröder aus dem Bundeskanzleramt in die Direktion der Gasprom hätte uns klar werden müssen, wozu die SPD am besten taugt: Als Trampolin in die Beletage der Gesellschaft, wo dicke Zigarren geraucht und fette Abfindungen ausgehandelt werden.
Und nachdem alle, die was können und was taugen, sich ins Privatleben oder in die Wirtschaft zurückgezogen haben, sind nur noch die fleißigen Ministranten übrig geblieben: Frau Ypsilanti, die ihren eigenen Wahlsieg vergeigt hat, Olaf Scholz, der mit dem Charisma eines Schalterbeamten agiert, Hubertus Heil, der beim Sprechen den Mund kaum aufmacht, und Kurt Beck, dem man es ansieht, dass er sich selbst nicht wählen würde, wenn man ihm die Wahl ließe. Gut, bei der CDU ist das Personal auch nicht besser, aber die haben wenigstens Angela Merkel, die allen anderen die Schau klaut, weil sie ihren Job professionell erledigt.
Alles aufkaufen, was im SPD-Shop angeboten wird
Alles, was wir ältere Sozialdemokraten derzeit machen können, ist das: uns darauf einstellen, dass wir unseren Enkelkindern eines Tages sagen werden: "Ja, wir haben die SPD noch erlebt, wir waren dabei, als Willy Brandt gestürzt und Gerhard Schröder gewählt wurde, wir können uns sogar an eine junge und ständig hyperventilierende Frau namens Andrea Nahles erinnern, die Franz Müntefering als Parteivorsitzenden abgeschossen hat, um anschließend zur stellvertretenden Vorsitzenden aufzusteigen. Wir wissen sogar noch, wer Rudolf Scharping war, bevor er der Vorsitzende des Bundes Deutscher Radfahrer wurde."
Wir sollten sofort damit anfangen, eine audiovisuelle Sammlung von SPD-Memorabilia anzulegen, indem wir täglich die "Tagesschau" und das "heute journal" aufzeichnen, um all die Statements der SPD-Politiker der Nachwelt zu erhalten, in denen sie uns versichern, dass es der SPD so gut geht wie nie zuvor.
Und wir sollten alles aufkaufen, was im SPD-Shop angeboten wird. "Stimmungsvolle Windlichter" aus Glas ("Hier geht Euch ein Licht auf!"), sechs Stück zu 29 Euro; einen roten SPD-Toaster für 27,60 Euro, der die magischen drei Buchstaben auch auf die Brotscheiben brennt; SPD-Windjacken, SPD-Badeschuhe, SPD-Basecaps, SPD-Thermoskannen, SPD-Pustefix, das SPD-Riesen-Seifenblasen-Spiel für Kinder- und Sommerfeste, SPD-Windmühlen aus Hart-PVC und SPD-Proviantdosen für den langen Marsch in eine entsorgte Zukunft. Alle diese Artikel werden eines Tages viel wert sein, wie die Devotionalien der SED oder die bunten Eierbecher aus dem VEB "Sonja Plastik", die heute unter Sammlern gehandelt werden.
Nehmen wir es mit Würde und mit Gelassenheit. Die SPD ist nicht zu retten. Retten wir also unsere Erinnerungen an die SPD.
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Sie hätten nur recht, wenn der Parteivoritzende Ratzinger hieße und die Bibel das Parteiprogramm wäre. Nach den 10 Gebotenm sollte jeder Christ leben, aber nicht nach dem SPD Parteiprogramm, auch wenn ich es für richtig hielte. [...] mehr...
Und da wird den Linken nachgesagt, sie hätten unfinanzierbare Vorschläge. Die Ihrigen hören sich fast identisch an, mit dem einzigen Unterschied, dass Sie den Konsum stärker besteuern wollen, die Linken hingegen das [...] mehr...
Mit dieser These könnte man auch behaupten, christliche Politik wird durch das Programm der CDU/CSU definiert. Selten so gelacht :-) mehr...
Solange die sogenannten "Netzwerker" aus dem liberal-konservativen Teil der Partei das Sagen haben, wird die SPD den Boden des Tals der Tränen noch nicht erreicht haben. Dieser parteiinterne Streit zwischen den Linken [...] mehr...
Mir wäre lieber gewesen, Sie antworten mit realitätsnahen Argumenten statt offenkundigem Unsinn. Meine Geduld ist erschöpft, Schwaflern zu erwidern. mehr...
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