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Rechtsextremen-Hochburg "Die Leute müssen endlich aufwachen"

2. Teil: Von einer Protestwahl kann keine Rede mehr sein - die Rechte ist hier längst Mainstream

Die NPD kommt in Reinhardtsdorf-Schöna aus der Mitte der Gesellschaft. Dazu ein paar platte Parolen gegen Preiserhöhungen, den angeblichen Berliner Diätenwahnsinn, wachsende Armut - das reicht für eine ansehnliche "Stammwählerschaft", wie Petra Schickert vom Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen es nennt. Von einer Protestwahl kann in der Sächsischen Schweiz, in der die NPD fast überall sehr gut abschneidet, längst keine Rede mehr sein. Diese Stammwählerschaft wieder dazu zu bringen, demokratischen Parteien ihre Stimme zu geben, sei fast schon aussichtslos, glaubt Petra Schickert. Vielmehr gehe es darum, diejenigen, die erst gar nicht an die Urne kommen, wieder zu mobilisieren. Bei etwa 50 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Reinhardtsdorf.

Die mobilen Demokratieberater des Kulturbüros haben in den vergangenen zwei Jahren viel Arbeit in die Gemeinde gesteckt. "Unsere Wahrnehmung ist eigentlich, dass wir nun viel besser aufgestellt sind", sagt Petra Schickert. Ein wenig Überraschung über das starke Abschneiden der NPD schwingt in diesem Satz auch mit, die Sorge, das Engagement könnte wirkungslos verpuffen.

Gemeinsam mit der Verwaltung haben die Projektarbeiter es geschafft, im Februar den Jugendclub neu zu eröffnen - zumindest an drei Tagen der Woche. Das Domizil hatte seit 2002 geschlossen, nachdem dort Skinhead-Partys und -Konzerte regelmäßig mit "Sieg-Heil-Rufen" endeten. Auch die inzwischen verbotene, militante Neonazi-Gruppe "Skinheads Sächsische Schweiz", zu der auch einer von Jacobis Söhnen gehört haben soll, traf sich hier. "Mit der Jugendarbeit wollen wir der NPD den Nachwuchs entziehen", sagt Petra Schickert. Sie hofft, dass der Club nicht wieder kippt. Ein Jugendlicher habe zuletzt bereits berichtet, "die Rechten" hätten schon vorbeigeschaut.

"Wissen Sie, was ich mir hier antue?"

Auch die örtliche kleine Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus mit dem Namen "Demokratie anstiften" wird vom Kulturbüro unterstützt. Große Akzeptanz erfahre die Initiative allerdings immer noch nicht, heißt es, auch wenn die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Vereinen besser werde. Oft gelten die engagierten Bürger noch als "Nestbeschmutzer".

Hier und da sind an den Laternenmasten noch die Zeichen der letzten Aktion der Bürgerinitiative zu sehen: "Demokratisch wählen!" ruft es weiß auf blau von den Plakaten herunter. Die NPD konterte den Appell auf ihre Weise: "Deshalb NPD wählen!" klebten die Kameraden flugs darunter. Die Zettel und die wie üblich massenhaft aufgestellten Plakate der Rechtsextremen sind am Montagmittag bereits verschwunden - wie es sich für angebliche nationale Saubermänner gehört.

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Doch die nächste Plakatoffensive kommt bestimmt: im nächsten Jahr, wenn in Reinhardtsdorf-Schöna wieder die Gemeindevertretung gewählt wird. Dann wird es wirklich ernst in der sächsischen Dorfidylle. Nur 1,6 Prozentpunkte lagen die Freien Wähler bei der Wahl vom Sonntag vor der NPD. "Wir haben die Sorge, dass es dann kippen könnte", sagt Petra Schickert vom Mobilen Beratungsteam. Der erste NPD-Bürgermeister, von dem die Partei in Reinhardtsdorf-Schöna schon einmal träumte, würde näher rücken.

Olaf Ehrlich hätte genug, wenn die Rechtsradikalen noch einmal ähnlich stark wie jetzt abschneiden würden. Er würde das Handtuch werfen, räumt er offen ein. Kapitulation? "Wissen Sie, was ich mir hier antue?", fragt er.

Dann sagt er, fast schon verzweifelt: "Die Leute müssen endlich aufwachen - sie müssen."

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