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Grünen-Vorsitz Realo-Bewerber laufen links ins Leere

2. Teil: Der Wahlkampf hat begonnen - auch über Bande

So schwer die Flügel-Festlegung bei den Grünen geworden ist - Basislinke und Regierungslinke hier, Realos und Reformer dort - so wenig einig scheinen die einzelnen Gruppierungen in der Vorsitzenden-Frage zu sein. Wenn die Realos Ende der Woche in Berlin zu einem zweitägigen Treffen zusammenkommen, sollte eigentlich die Unterstützung der Truppe für Özdemir als Ergebnis stehen. Nur: Ratzmann soll bei der Klausur ebenfalls für sich werben dürfen. Und reden, das räumen selbst ihm weniger Wohlgesinnte ein, das kann der Rechtsanwalt wirklich.

Offensichtlich hatten manche Realos noch bis zum Wochenende versucht, Ratzmann von seiner Kandidatur abzuhalten. Aber dafür war es wohl schon zu spät. Dafür hört man jetzt, das Festhalten von Künast an ihrem Kandidaten und das klare Bekenntnis für Ratzmann schade diesem. "Die Partei will keinen Adlatus von Renate", sagt ein Insider.

Wettbewerb um die radikalste Schlagzeile?

Der Kampf um die Nachfolge Bütikofers ist jedenfalls endgültig eröffnet. Und dabei wird - nach alter Grünen-Tradition - auch gerne über Bande gespielt. Kaum hatte Ratzmann der "Stuttgarter Zeitung" ein großes Interview zum Thema Umweltpolitik gegeben, wurde ein Konter organisiert: Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, Werner Wölfle, griff den Kandidaten scharf an - in einer Stellungnahme, die SPIEGEL ONLINE zugespielt wurde.

"Er hat über seine Forderung, ein Verkaufsverbot für Autos mit großem CO2-Ausstoß auszusprechen, nicht lange genug nachgedacht. Wir können doch bedeutenden Autoherstellern wie Porsche oder Daimler nicht einfach große Teile der Produktion verbieten", sagt Wölfle. "Wir sind seit Jahren in einem konstruktiven Dialog mit unserer Autoindustrie und schonen sie nicht." Deshalb würde er sich "wünschen, dass die Kandidaten für den Parteivorsitz ihre Vorschläge mit den Fachleuten in der Partei abstimmen und nicht in einen Wettbewerb um die radikalste Schlagzeile eintreten".

Manche Linke rätselt dafür, ob über den Kandidaten Özdemir nicht noch weitere unschöne Dinge bekannt werden könnten. Özdemir war 2002 in die Kritik geraten, weil er von dem PR-Mann Moritz Hunzinger einen Kredit angenommen und beruflich erworbene Vielfliegermeilen privat genutzt hatte. Danach war der Abgeordnete nicht erneut für den Bundestag angetreten und legte eine Politik-Pause ein. 2004 kehrte er dann mit dem Einzug ins Europaparlament in die Politik zurück.

"Aufgedrängt hat sich wirklich keiner der beiden Kandidaten", sagt Parteiratsmitglied Seeliger. Schöner kann man fehlende Begeisterung nicht ausdrücken.

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