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24.06.2008
 

Parteivorsitz der Grünen

Kontrahenten auf verflixtem Schmusekurs

Von Ferda Ataman, Düsseldorf

Fair, freundlich, fröhlich: Volker Ratzmann und Cem Özdemir wollen Grünen-Chef werden - jetzt beginnen sie ihre Wahlkampftour durch die Landesverbände. Doch Konflikte werden ausgespart. Wie die Delegierten da den Besseren der beiden ausmachen sollen, weiß keiner so recht.

Düsseldorf - Fast sieht es aus, als wollten die Kandidaten für den Parteivorsitz der Grünen ihr Gegenüber durch Höflichkeit ausschalten. "Möchtest du lieber nach links oder rechts?", fragt Volker Ratzmann grinsend seinen Kontrahenten Cem Özdemir bei der Platzauswahl - und das ist schon die schärfste Spitze an diesem Abend. Ansonsten betonen beide beim ersten gemeinsamen Pressegespräch im Düsseldorfer Landtag, wie qualifiziert doch der jeweils andere sei.

Wahlkampf ohne Kampf: Cem Özdemir (li) und Volker Ratzmann
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AP

Wahlkampf ohne Kampf: Cem Özdemir (li) und Volker Ratzmann

Regelrecht absurd mutet es an, als Özdemir beantworten soll, wie seine Partei mit der Flugaffäre umgehe, die ihn 2002 zum Rücktritt bewegte: Noch bevor er antworten kann, nimmt Ratzmann den Kontrahenten in Schutz. Er habe sich damals so vorbildlich verhalten wie nur möglich, sagt Ratzmann. Und die Partei stehe hinter ihm. Özdemir lächelt gezwungen.

Doch so ist es abgemacht. Keine öffentliche Schmutzkampagne, keine Seitenhiebe vor den Medien. Die beiden Kandidaten für die Nachfolge von Reinhard Bütikofer sollen sich in völliger Harmonie vorstellen.

Aus dem Reformer-Flügel der Grünen ist zwar einstimmig zu hören, die Kandidatur Özdemir gegen Ratzmann stehe für innerparteiliche Demokratie und sei deshalb gut. Doch zugleich fürchtet man offenbar, dass der interne Wahlkampf dem Parteiflügel schaden könnte. Die früher Realos genannten Reformer haben wohl in den USA beobachtet, wie geschwächt die Demokraten am Ende der langwierigen Vorwahlen waren. Das soll ihnen nicht passieren.

Geschlossen, nicht zerstritten - so wollen der Europapolitiker Özdemir und der Berliner Landespolitiker Ratzmann deshalb auf ihrer gemeinsamen Tour durch die Landesverbände wahrgenommen werden, die an diesem Dienstag im größten Verband in Nordrhein-Westfalen gestartet ist. Am Wochenende hatten sie in Berlin beim Treffen der Reformer ausgemacht, nur noch gemeinsam aufzutreten. Keiner werde allein losziehen, um Stimmen für sich zu gewinnen. Ratzmann und Özdemir reden in Düsseldorf unentwegt von den Zielen "der Partei" und von "Fairness im Umgang miteinander".

Ein Gutes hat der Zweikampf, finden auch die beiden Kandidaten: Er bringt Aufmerksamkeit. "Für die Partei", versteht sich. Özdemir berichtet von Anfragen politikinteressierter Bürger, die nun Interesse für die Grünen zeigen.

Keine Empfehlung über Inhalte

Beide Politiker finden es sichtlich schwer, sich in Szene zu setzen. Es gibt für konkurrierende Politiker kaum Möglichkeiten, sich zu profilieren, ohne sich auf die Füße zu treten. Ratzmann und Özdemir können sich nicht mal durch besondere Inhalte empfehlen. Sie stehen beide für die politischen Positionen der Reformer, sind für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und arbeiten an ihrem Image als Kämpfer für den Umweltschutz.

"Wir unterscheiden uns hauptsächlich in unseren Erfahrungen und Biografien", sagt Özdemir. Also versuchen sie, mit ihrer Persönlichkeit zu punkten. Subtil, versteht sich.

Özdemir betont seine langwierige Politikerkarriere - er sei seit 1981 dabei. "Ich bin erfahren darin, mit sämtlichen Parteien Kompromisse auszuhandeln", sagt er.

Er stammt aus einer Migrantenfamilie. Özdemir, der sich selber "anatolischer Schwabe" nennt, kam 1994 als erster türkischstämmiger Politiker in den Bundestag. 2002 war er in Kritik geraten, weil er von PR-Berater Moritz Hunzinger einen Kredit angenommen und dienstlich erworbene Bonusmeilen privat genutzt hatte. Seit 2004 ist er jedoch wieder aktiv in der Politik, als Europaabgeordneter, viele Grüne hatten ihn dazu ermutigt.

Volker Ratzmann, Rechtsanwalt und Fraktionschef in der Hauptstadt, ist namentlich von Renate Künast zur Kandidatur um den Parteivorsitz aufgefordert worden. Hätte er ohne ihre Unterstützung kandidiert, wäre die erste Reaktion vieler Grüner vermutlich "Volker wer?" gewesen - er ist über Berlin hinaus kaum bekannt. Ratzmann selbst sagt, als er seine Eignung für den Job erklären soll: "Ich bin erfahren im Umgang mit der Linkspartei und als Fraktionschef." Özdemir nickt, Harmonie verstreuend - er hätte Ratzmann auch genau so vorgestellt, sagt er.

Beide Berufspolitiker machen Andeutungen über die Zeit nach der Bundestagswahl 2009. Volksparteien, die keine Koalition mit der Linkspartei eingehen wollen, seien dann im Fünf-Parteien-System auf die Grünen als Partner angewiesen, sagen sie, und jeder der beiden will sich dabei als koalitionsfähigster Mann empfehlen.

Doch wie, fragt ein Journalist, sollen sich die Delegierten auf dem Parteitag für einen von beiden entscheiden, solange sie wie Zwillinge auftreten?

Die Antworten klingen - natürlich - einmütig. Am Ende gehe es hier um eine starke grüne Partei: "Wir wollen den Wahlkampf nicht in der Öffentlichkeit austragen", sagt Ratzmann. "Wir bewerben uns nicht vor der Presse, sondern vor den Grünen", sagt Özdemir.

Vielleicht bekommen ja die Reformer in den Landesverbänden intern mehr Profilierungsakte vorgeführt als die Öffentlichkeit.

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