Berlin/Osnabrück - Das Ziel ist klar: Die Regierung will Übergewicht reduzieren und zugleich ernährungsbedingte Erkrankungen. Der Zeitplan: Bis zum Jahr 2020 sollen sichtbare Ergebnisse vorliegen. So steht es in dem Plan, der an diesem Mittwoch verabschiedet werden soll.
Laut "Berliner Zeitung" setzt die Bundesregierung dabei vor allem auf freiwillige Vereinbarungen mit Ländern, Kommunen, Verbänden und der Wirtschaft. So solle unter anderem die Aufklärung über Ernährungsthemen in Schulen und Kitas verbessert werden. Zudem solle die Qualität von Außer-Haus-Verpflegung gesteigert, die Kennzeichnung von Lebensmitteln vereinfacht und die Bewegung im Alltag gefördert werden.
Konkret will die Regierung mit der Süßwarenindustrie über einen Verhaltenskodex beraten, damit diese freiwillig auf Werbung für Kinder unter zwölf Jahren verzichte. Mit der Computerwirtschaft soll laut "Berliner Zeitung" über Spiele verhandelt werden, die zur Bewegung anregten. An die Modebranche werde appelliert, auf magersüchtige Models zu verzichten. Die Ernährungsindustrie solle gesündere Lebensmittel herstellen. Insgesamt wolle die Regierung jährlich zehn Millionen Euro zusätzlich für den Aktionsplan bereitstellen, berichtet das Blatt.
Grüne kritisieren
Die Grünen im Bundestag kritisieren den Aktionsplan als unzureichend. Die Ziele und Absichtserklärungen klängen zwar gut, schlügen sich aber nicht in konkretem Handeln nieder, sagte die Vorsitzende des Ernährungsausschusses im Bundestag, Ulrike Höfken, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Arbeitsprogramm sei sehr dürftig. "Durch den ganzen Aktionsplan zieht sich eine große Unverbindlichkeit, und damit ist sein Name ad absurdum geführt."
Es gebe darin zwar Analysen, Berichte und Eckpunktepapiere, aber keine staatlichen Aktivitäten wie etwa gesetzgeberische Maßnahmen, kritisierte Höfken. Nur so könne man aber wirklich für eine gesündere Ernährung sorgen. Die Grünen-Politikerin kritisierte zudem die Pläne für eine Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln, bei der die Bundesregierung "eine Kopie der Industrievorschläge" vorgelegt habe. Außerdem enthalte der Plan nicht wie angekündigt Werbebeschränkungen etwa für alkoholische Getränke, die besonders Kinder und Jugendliche anspreche.
Das Konzept wurde von Ernährungsminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erarbeitet.
itz/AP/AFP
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