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25.06.2008
 

Rot-Rot-Debatte

Lafontaine nimmt Beck in Schutz

2. Teil: Warum Lafontaine Schwans Attacke gelassen sieht

Lafontaine: Ich habe Frau Schwan als Altphilologin verstanden: Dann ist ebenso wenig ein Demagoge Volksverführer wie ein Pädagoge ein Kindsverführer ist. Vor allem aber treffe ich politische Entscheidungen nicht danach, ob mir jemand passt oder nicht passt. Das ist nicht mein Verständnis von Politik.

SPIEGEL ONLINE: Sollten Sie einen eigenen Kandidaten nominieren – wie würde sich die Linkspartei in einem möglichen entscheidenden zweiten oder dritten Wahlgang verhalten?

Lafontaine: Auch wenn wir einen Kandidaten nominieren, haben wir keine Festlegung für einen möglichen dritten Wahlgang. Das werden wir am Tag der Wahl entscheiden.

SPIEGEL ONLINE: Wird sich Frau Schwan denn noch bei der Linksfraktion vorstellen? Am Dienstag war sie schon bei den Grünen.

Lafontaine: Wenn Frau Schwan uns besuchen möchte, werden wir uns diesem Wunsch nicht verschließen.

SPIEGEL ONLINE: Es gab jüngst ein erstes Treffen von jungen Politikern von SPD und Linkspartei. Ein Schritt der Normalisierung im angespannten Verhältnis? Muss es so etwas öfter geben? Oft hat man den Eindruck eines Beißkampfs zwischen Linkspartei und SPD.

Lafontaine: Aber die Beißerei ist doch sehr einseitig, wir haben keinerlei Berührungsängste mit der SPD. Das Problem hat allein die SPD.

Linken-Chef Lafontaine: "SPD hat ihren Identitätskern verloren"
Erik Seemann

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SPIEGEL ONLINE: Das heißt, solche Treffen könnten Ihrer Meinung nach auch auf höherer Ebene stattfinden?

Lafontaine: Selbstverständlich. Wir haben nie gesagt, wir würden uns irgendwelchen Gesprächen verweigern.

SPIEGEL ONLINE: SPD-Chef Beck sagte zuletzt, er klebe nicht an seinem Sessel. Ist er amtsmüde?

Lafontaine: Ich habe nicht das Gefühl, dass er amtsmüde ist. Er ist massiven Angriffen ausgesetzt und kann nicht auf die Loyalität seiner Umgebung setzen. Seine Aussage ist deshalb verständlich.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren schon selbst auf dem Posten von Beck. Macht er alles falsch? Die Krise der SPD wird stark an seiner Person festgemacht.

Lafontaine: Das ist ungerecht. Die SPD-Krise hat eine ganz klare Ursache: Der Identitätskern der Partei ist verlorengegangen. Dafür sind in erster Linie Schröder und Müntefering verantwortlich.

SPIEGEL ONLINE: In Umfragen liegt die Linkspartei nur noch knapp hinter der SPD. Zusammengerechnet wären sie eine mächtige Volkspartei. Sie haben mal eine Fusion von PDS und Ost-SPD ins Gespräch gebracht. Gilt das noch heute für Gesamtdeutschland?

Lafontaine: Das habe ich 1990 vorgeschlagen. Zurzeit hat das keine Aktualität und ist auch inhaltlich nicht zu begründen. 1990 waren die Parteien in einer Phase der Neuformierung, CDU und FDP haben Blockparteien geschluckt. Wir in der SPD haben damals überlegt: Wie stellen wir uns im Osten auf? Jetzt sind SPD und Linke sehr unterschiedlich positioniert in den Fragen der Sozialpolitik und Außenpolitik. Wir stehen für den Erhalt und den Ausbau des Sozialstaates und stehen zu Willy Brandts Satz, dass Krieg die ultima irratio ist.

SPIEGEL ONLINE: Aber sind nicht beide Parteien sozialdemokratisch?

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