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18.07.2008
 

Islamismus in Europa

Gekaperte Moscheen

Von Yassin Musharbash

Der Salafismus gewinnt an Einfluss - eine islamistische Denkschule, die von friedlicher Frömmigkeit bis zum Dschihadismus reicht. Eine neue Studie des niederländischen Innenministeriums erforscht ihre Ausweitung, auch in Deutschland interessieren sich die Behörden verstärkt für sie.

Berlin - Nicht jeder Muslim ist ein Terrorist, aber seit dem 11. September 2001 ist fast jeder Terrorist ein Muslim: Mit diesem berühmten Satz nahm der saudi-arabische Journalist Abd al-Rahman al-Raschid vor einigen Jahren die Muslime gegen pauschale Vorwürfe in Schutz - und sprach zugleich eine unbequeme Wahrheit aus.

Mohammed Bouyeri, der Mörder von Theo van Gogh, besuchte eine salafistische Moschee.
AP

Mohammed Bouyeri, der Mörder von Theo van Gogh, besuchte eine salafistische Moschee.

Diese Formel lässt sich noch verfeinern: Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber praktisch jeder islamistisch inspirierte Terrorist würde sich als Salafisten bezeichnen.

Der Salafismus ist weder ein Orden noch ein Verein. Er ist keine Sekte, keine Rechtsschule und kein Terrornetzwerk. Der Salafismus ist eine Strömung, die quer zu all diesen Kategorien verläuft. Als Salafisten werden jene Muslime bezeichnet, die sich in allem allein am Vorbild des Propheten Mohammed und der ersten Generation von Gläubigen ("al-Salaf al-Salih": "Die frommen Altvorderen") orientieren. Der Koran gilt für sie uneingeschränkt und wörtlich, die 14 Jahrhunderte lange Geschichte der islamischen Theologie lassen sie weitestgehend außer Acht.

Für sie gilt vor allem eines: Das goldene Zeitalter des Islam muss wieder belebt werden. "Was wir in der modernen Gesellschaft versuchen, ist es, eine Generation zu formen, die fast identisch ist mit der des Propheten", sagt zum Beispiel Fawaz Jneid, ein bekannter niederländischer Imam der salafistischen Schule.

Unter diesem breiten ideologischen Dach haben wiederum verschiedene Strömungen Platz: Die unpolitischen Salafisten, die sich nur um Glaubensdinge kümmern, ebenso wie die nichtmilitanten Salafisten, die zwar politische Forderungen stellen, sie aber nicht mit Gewalt durchsetzen wollen.

Und schließlich die dschihadistischen Salafisten, die ihre Version einer idealen Welt herbeibomben wollen. Al-Qaida und Co. zum Beispiel.

Jetzt geht es um Ideen

Der Einfluss des Salafismus, hat nun eine aktuelle Untersuchung des niederländischen nationalen Koordinators für die Terrorbekämpfung ergeben: Er steigt. Mit den gebotenen Einschränkungen (es gibt eben auch friedliche Salafisten) ist das eine beunruhigende Erkenntnis.

Und die Niederlande scheinen kein Einzelfall zu sein. Die Studie verweist auf ähnliche Ergebnisse in Frankreich. In Deutschland wiederum befand eine Untersuchung des Landeskriminalamtes Sachsen aus dem vergangenen Jahr, auch hierzulande sei mit der Expansion von Salafisten-Netzwerken zu rechnen.

Es ist noch relativ neu, dass sich westliche Sicherheitsbehörden mit Personenkreisen beschäftigen, die man unter dem Oberbegriff Salafisten fassen kann. Lange standen Organisationen und Vereine im Fokus. Es ging um steigende oder sinkende Mitgliederzahlen und antisemitische Artikel in Vereinszeitschriften, um Kabalen bei Vorstandswahlen und Vermögenswerte.

Jetzt geht es um Ideen und ihre Verbreitung. Die niederländische Studie beschreibt etwa, wie Salafisten Moscheen kapern: Immer mehr von ihnen erscheinen dort zum Gebet, engagieren sich in der Gemeinde - und wenn sie stark genug sind, putschen sie den Imam weg und ersetzen ihn durch einen der ihren. Solche Fälle sind relevant - auch wenn keiner der betroffenen Mitgliedsbeiträge an irgendeine Organisation abführt.

Die Situation in den Niederlanden und in Deutschland ist nicht unähnlich: Bestimmte Moscheen können als salafistisch geprägt gelten. In den Niederlanden sind es vier, die genannt werden. Hierzulande dürften es mehr als ein Dutzend sein. Selbst, wenn es sich um moderate Salafisten handelt, wird von diesen Kanzeln am Freitagmittag oft dazu aufgerufen, sich nicht mit Ungläubigen abzugeben, auch nicht mit unfrommen Muslimen.

Immer mehr salafistische Prediger

Unter integrationspolitischen Gesichtspunkten ist schon das ein Problem. Gelegentlich kommt aber ein Sicherheitsproblem hinzu - in Form der dschihadistischen Salafisten.

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